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Auto steht auf dem Fußweg

Ich fahre, so im bundesdeutschen Durchschnitt betrachtet, recht viel mit dem Fahrrad. Im Schnitt etwa 100 km pro Woche, etwa 5.000 km pro Jahr. Auch im Winter, sofern die Strecke nicht vereist ist und auch bei Regen bin ich überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs. „Vor Corona“ bin ich bei fiesem Wetter mit der Bahn gefahren, seit Beginn der Pandemie habe ich das gelassen. Ich bin kein Fahrradliebhaber, ich fahre nicht deshalb mit dem Fahrrad, weil ich Fahrradfahren an sich so toll finde und so großen Spaß daran habe (hab ich manchmal auch, ist aber definitiv nicht meine Hauptmotivation), sondern aus rein sachlichen Gründen: es ist viel, sehr viel billiger, als mit dem Auto zu fahren und es schont die Umwelt. Das Fahrrad ist für mich in erster Linie ein Fortbewegungsmittel und darüber hinaus eine Möglichkeit, den eigenen CO2-Abdruck zu verringern. Gerade deshalb wünsche ich mir, dass noch viel mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren. Naja, wenn das mal so einfach wäre. Ich fange mal mit einem Erlebnis an, vielleicht wird ja eine kleine Serie daraus – hab ich doch gerade 2,5 größere Absätze hier gelöscht, weil sie zu sehr abschweiften. Ich versuche also zur Abwechslung mal beim Thema zu bleiben.

Neulich fahre ich, wie jeden Morgen, so zur Arbeit. Nachdem ich, dank „gut durchdachter“ Fahrradführung einmal vor und einmal direkt nach der Brücke über den Mittellandkanal die Straßenseite wechseln durfte (ja, ich ärgere mich jeden Morgen wieder darüber), stehe ich direkt vor der Situation in dem Bild. Da steht ein Auto, warnblinkend, mitten auf dem Fuß- und Radweg. Etwas erbost habe ich die darin sitzende Fahrerin also gefragt, ob es ihr noch gut geht, dass sie da so rumsteht. Zugegeben: es ging ihr nur so mittelgut. Sie hatte eine Panne mit dem Auto und war selbst ziemlich nervös. Zunächst deshalb: ich kann ihre spezielle Situation verstehen. So viele Autos haben ja auch nicht gleichzeitig eine Panne und wenn es nur diese Situationen wären, wäre das absolut zu verschmerzen. Was mir zu denken gegeben hat, war die Aussage: „ich wollte den Autoverkehr nicht behindern, deshalb hab ich mich hier auf den Fußweg gestellt“. Hm, ja. Den Fußweg teilen sich an dieser Stelle Fußgänger mit Radfahrern in beiden Richtungen (ganz legal). Um die Zeit ist die Strecke auch ziemlich belebt. Offenbar ist es trotzdem eingängiger, hier die Fußgänger und Radfahrer einzuschränken und zu gefährden, als den Autoverkehr aufzuhalten, indem man warnblinkend auf der Straße hält. Wie gesagt, wären das nur die Autofahrer mit den fiesen Pannen, die so handeln würden, hätte ich gar kein Problem. Blöderweise sind es aber auch die Lieferwagen- und Taxifahrer, die „Nur-schnell-zum-Bäcker-Geher“, die „Ich-bin-ja-gleich-wieder-da-Sager“ und vor Allem die „Ich-werd-hier-ja-wohl-kurz-mal-parken-dürfen-Motzer“ die, nicht nur hier, sondern überall in der Stadt, die Fuß- und Radwege und Fahrradstreifen zustellen und erwarten, dass der nicht-motorisierte Verkehr sich irgendwie um sie herum bewegt. Ja, Fußgänger und Radfahrer sind kleiner und wendiger als Autos und können deshalb leichter mal ausweichen. Sie sind aber auch weniger gut geschützt und deshalb stärker gefährdet, sollen es aber trotzdem ausbaden? Über Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühle usw. haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Ich vermute ja, dieses Verhalten hat einen historischen Hintergrund. Schon im Mittelalter wurde erwartet, dass das Fußvolk den Herrschaften in den Kutschen ausweicht. Daran hat sich nicht viel geändert: Herren der Straße sind die Blechkutschen. Diese werden möglichst wenig aufgehalten und behindert (da hätte ich schon die nächsten 2-3 Folgen dieser Serie im Kopf), schon gar nicht durch diejenigen, die sich gänzlich ohne Pferdestärken durch die Stadt bewegen. Wer sich mit seiner Blechkiste gerade nicht voran bewegt, räumt deshalb auch pflichtschuldigst den Weg frei für andere Autos, auf dass der Autoverkehr unbehindert weiter rollen kann.

Ich meine, wir müssen das Befahren und Beparken von Fuß- und Radwegen stärker tabuisieren. Wenn es an so vielen Orten gestattet oder geduldet wird, ist es kein Wundert, dass die erste Assoziation bei einer Panne ist „ich darf den Autoverkehr nicht aufhalten, also rauf auf den Fußweg“. Helfen würde es, wenn die Gesetze hier verschärft werden würden. Wobei es im ersten Schritt vermutlich reichen würde, die geltenden Gesetze auch durchzusetzen und Verstöße konsequent zu ahnden (und Verstöße meldende Radfahrer nicht 20 Minuten neben einem den Radweg blockierenden Autofahrer warten zu lassen und dann doch nicht aufzutauchen – Gruß an dieser Stelle an die hannoversche Polizei und nein, es ging nicht um diese Autofahrerin). Auch als Gesellschaft müssen wir hier umdenken und zumindest die Fuß- und Radwege als alleinige Verkehrswege für Fußgänger und Radfahrer beanspruchen. In unseren Köpfen fängt die Veränderung an, da sollte es sich nicht mehr „normal“ anfühlen, dass da halt mal eben ein Auto auf dem Fuß- oder Radweg steht. Solange Fahrradfahrer, die sich über Behinderungen durch den Autoverkehr beschweren, die „Bösen“ sind, bleibt die Situation, wie sie ist. Ich vermute, jeder Fahrradfahrer hat sich über eine ähnliche Situation schon einmal geärgert, wollte aber nicht als kleinlicher Radfahrer dastehen und hat sich kommentarlos irgendwie durchgeschlängelt. Ich glaube, in den letzten Jahren hatte ich keine Fahrt in Hannover, bei der ich nicht mindestens einmal in genau dieser Situation war.

Wenn ich mir das nochmal so durchlese, denke ich „wow, das ist viel“. Meistens ist es mir in dem Moment ja gar nicht so bewusst, es läuft so unbewusst mit: „ach ja, wieder ein Autofahrer, der mir den Weg verstellt“ – und damit geht es weiter. Es sind zu viele, um sich auch nur gedanklich mit jeder dieser Situationen aufzuhalten. Damit sich etwas ändert, ist ein kleines Verschieben des Wertesystems notwendig. Vielleicht ist das eine gute Übung, denn wenn wir unsere Erde noch retten wollen, müssen wir in noch viel mehr Bereichen umdenken. Fangen wir also ruhig mal an, bei den Fuß- und Fahrradwegen und den „gefühlten Rechten“ der Autofahrer.

Wochenend-Frust

Jul
2021
25

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Wieder einmal ein Wochenende. Ein Wochenende mit (hier zumindest) schönem Wetter, Sonnenschein und verdienter Ruhe nach einer anstrengenden Woche. Ein Wochenende, um auf der Terrasse über Frust nachzudenken. Aber was denn für ein Frust? Achtung, die nächsten Absätze enthalten auch eine Menge Jammern – aber das war bei einem Post mit dem Titel „Wochenend-Frust“ irgenwie zu erwarten, oder?

Hier in Hannover ist die Corona-Inzidenz seit dem Wochenende bereits wieder bei über 35. Mein Fitnessstudio hat bereits angekündigt, dass sie Duschen und Umkleiden wohl wieder schließen müssen. Wir wissen alle, dass es dabei nicht stoppen wird. Die 50 ist höchstens 1-2 Wochen entfernt und auch die 100 wird kommen. Ich vermute (für Hannover): spätestens Ende August. Schon die Vorstellung und die Aussichten lähmen mich. Es fängt alles wieder von vorne an. Ich habe keine Kinder, ich will mir gar nicht vorstellen, was diese Aussichten für Eltern mit Kindern bedeuten, die sich schon jetzt darauf einstellen können, dass es nach den Sommerferien wieder mit bestenfalls Wechselunterricht und schlimmstenfalls Homeschooling losgeht. Aber auch ohne Kinder und in einer komfortablen Situation nimmt mir die Aussicht die Luft zum Atmen. In einer Art vorauseilendem Gehorsam sitze ich auf meiner Terrasse, bemitleide mich selbst und verliere langsam die Hoffnung.

Dabei ist das Schlimmste nicht, dass erst die Clubs und dann die Restaurants wieder zumachen werden, dass Kultur seit 1,5 Jahren nur häppchenweise, mit starken Einschränkungen oder digital stattfindet und Sozialkontakte langsam zum Luxusgut werden. Das ist schlimm und über die Kollateralschäden dieser Pandemie will ich gar nicht nachdenken. Wir alle kennen die alarmierenden Meldugen, dass Gewalt im familären Umfeld ansteigt, vom Verlust an Bildung, aber auch einfach an Mögilchkeiten, das Leben kennen zu lernen für die nachfolgende Generation ganz zu schweigen. Geschlossene Fitnessstudios klingen da nach einem zu vernachlässigenden Problem – aber die gesundheitlichen Auswirkungen werden wir alle erst in den kommenden Jahren langsam spüren.

Aber, wie gesagt, das ist bei weitem nicht das Schlimmste. Wirklich schlimm, wirklich dramatisch, kaum zu ertragen und die Hauptursache für meinen Frust ist die Ursache, die dahinter steckt. Pandemie ist kacke. Aber endlich haben wir etwas dagegen in der Hand: die Impfung. Eine Impfung, die uns ermöglichen könnte, diese Pandemie soweit einzudämmen, dass sie handhabbar bleibt und wir nicht wieder alles dicht machen müssen. Aber offenbar kriegen wir nicht einmal das hin. Nicht einmal die persönlichen Freiheiten, das eigene Vergnügen und die Zukunft unserer Kinder sind uns wichtig genug, damit sich (zügig, also JETZT) alle, die können, impfen lassen. Erst seit kurzem haben wir genug Impfstoff für Alle. 2 Millionen Dosen am Tag könnten wir verimpfen, aber nur 500.000 am Tag werden auch tatsächlich verabreicht. Es scheitert nicht mehr am Impfstoff, nicht mehr an der Politik, bei der weiß Gott genug schief gegangen ist in den letzten 1,5 Jahren – es scheitert an uns, an jedem von uns, der sich nicht aus medizinischer Notwendigkeit, sondern auf Grund von Zweifeln, allgemeiner Impfskepsis oder irgendwelcher Verschwörungsmythen nicht impfen lassen will.

Zurück zum Thema. Also, Pandemie ist kacke. Das Virus hat schon viele Menschenleben gefordert und wird noch viele weitere fordern. Wir haben es in der Hand, jeder kann sich impfen lassen – und wir könnten Druck auf die Politik ausüben, für eine global gerechte Verteilung der Impfstoffe sorgen. In dieser Pandemie sitzen wir nämlich alle in einem Boot. So gesehen könnte man die Pandemie als Generalprobe für das sehr viel größere, globale Problem ansehen, in dem wir auch bereits mitten drin stecken, wenn wir es auch meistens noch nicht so merken: der Klimakatastrophe. Die Generalprobe (Pandemie) verkacken wir gerade grandios und mit Ansage. Und die Klimakatastrophe?

Gerade erst haben wir mal wieder die ersten Ausläufer dessen zu spüren bekommen, was da auf uns zukommt: Starkregen und Überflutungen, Tod und Verwüstung durch Wassermassen hier direkt vor unserer Haustür. Übrigens ebenfalls in China. Außerdem Dürre und Feuerkatastrophen in Kalifornien. Wer den Wissenschaftlern zuhört, weiß, das ist erst der Anfang. Trotzdem endet wenige Tage nach den verheerenden und eigentlich aufrüttelnden (?) Ereignissen hier bei uns der G20 Gipfel in Neapel, wieder einmal, ohne greifbares Ergebnis. „Wir wollen ja, aber ach…“ ist der Tenor. „Die Wirtschaft! Das ganze schöne Wirtschaftswachstung! Das einfache und komfortable Leben! Und besonders: die Interessen der Wirtschaft, der Konzerne!!“ Dabei läuft die Zeit uns davon. Genaugenommen tut sie das schon seit mindestens 25 Jahren, damals gab es die ersten Warnungen vor dem Klimawandel, die weitgehend ungehört und unbeachtet verhallten. jetzt allerdings haben wir die letzte Chance, noch etwas zu ändern. Es ist nicht 5 vor 12, es ist allerhöchstens noch 1 Sekunde vor 12.

So, und was machen wir jetzt? Wir alle kennen die Aufrufe zu nachhaltigerem Verhalten. Keine tierischen Produkte konsumieren ist übrigens die größte Einzelmaßnahme, die jeder sofort umsetzen kann. Statt Auto- mehr Fahrrad fahren (und ÖPNV, auch wenn das aktuell als Tipp nur so mäßig gut ankommt), weniger Flugreisen. Müll reduzieren, insbesondere Plastik. Überhaupt, den eigenen Konsum mal in Frage stellen, umstellen auf Nachhaltig und Bio und ein Elektroauto. Das ist alles wichtig, wirklich, ist es!

Das Wichtigste wäre aber die sofortige Abkehr von der Nutzung fossiler Brennstoffe. Kohlekraftwerke abschalten, das wäre der größte, der wichtigste Schritt, damit könnten wir so viel mehr CO2 einsparen, als mit Mülltrennung und wassersparend duschen jemals zu erreichen wäre. Wir wissen, dass das möglich wäre. Wir wissen, dass wir mit Wind und Sonne genug Energie produzieren können. Technisch ist es nicht mehr das Problem. Es bedeutet z. B. mehr Windkrafträder. Die sind nicht wirklich eine Verschönerung der Landschaft – aber doch deutlich besser, als wenn die „Landschaft“ durch die veränderten Klimaverhältnisse in Wasser und Schlamm versinkt oder verdorrt und ggf. verbrennt – oder? „Aber bitte nicht vor meiner Haustür“ – tja, das wird schwierig, irgendwo müssen sie halt hin. Ganz ehrlich: ich hab ein paar Jahre wenige 100 m von einem Windrad entfernt gewohnt, das ist wirklich kein Drama! Schon gar nicht im Vergleich mit den Umweltkatastrophen, die uns durch unseren ausbeuterischen Umgang mit der Umwelt bevor stehen.

Die Politik würde die notwendigen Veränderungen nur dann konsequent angehen, wenn wir, also WIR ALLE, das massiv einfordern und sie so unter Druck setzen, dass sie die Interessen der Menschen (ein lebenswertes Leben!) vor die Interessen von Wirtschaft und Konzernen stellen. Das wiederum können wir nur, wenn wir alle zusammen halten, wenn wir uns einig sind, wenn wir es wirklich wollen und es für uns Priorität hat.

Genau da bin ich bei meinem Wochenend-Frust angekommen: wenn wir es schon nicht einmal schaffen, uns geschlossen gegen eine Krankheit impfen zu lassen, die uns sonst unsere Freiheit nimmt und allen Ungeimpften das Leben nehmen kann – wie sollen wir da genug Einigkeit herkriegen, um die Politik ausreichend unter Druck zu setzen? Ist es ein von vornherein verlorener Kampf, weil wir lieber bequem auf dem Sofa dem Untergang der Welt zuschauen (ja, melodramatisch, aber hei: genau darum geht es letztendlich!) als klar, laut, deutlich und unmissverständlich dafür zu sorgen, dass diese Welt für uns alle lebenswert bleibt?

Meine Hoffnung liegt aktuell ziemlich am Boden. Und Ihr so?

Vom Impfen

Jul
2021
17

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Impfausweise

„Ach“, dachte ich mir beim letzten Beitrag vor fast einem Monat, „ich müsste das viel häufiger machen, also bloggen, am Besten ja regelmäßig“ und mit diesem guten Vorsatz machte ich mir Gedanken über die nächsten Themen. Darüber wiederum endete mein Urlaub und damit schwanden auch die guten Vorsätze. Heute morgen beim Frühstück (vermutlich kein Zufall, dass zumindest Wochenende ist und ich nicht arbeiten muss) scrollte ich durch Nachrichten und Benachrichtigungen und wusste, ich muss mal wieder etwas schreiben.

„Alte, nun komm mal zur Sache“? Ja, ist ja gut, geht ja schon los. Also: Seit heute gelte ich als vollständig geimpft. Gegen Corona, meine ich, gegen Tetanus und so bin ich es schon lange. Als ich Ende Mai meine erste Impfung bekam, war das noch richtig spannend. Der Impfstoff war knapp, die Wartelisten scheinbar endlos lang. Mein gefühlter Leidensdruck war dabei hoch: der Winter und der lange Lockdown hatten mir zugesetzt und zu dem Zeitpunkt war immer noch praktisch alles zu. Ich fühlte mich wahlweise ein- oder vom Leben ausgesperrt, von der Politik vergessen (nicht alt, nicht krank, nicht systemrelevant und gerade kam die Diskussion um vorgezogene Impfungen für Kinder und Jugendliche auf). Mein Hausarzt impft nicht und das Impfzentrum wies mich schon vor der Registrierung ab. Mit einem Freund habe ich um eine Kiste Wein gewettet, dass ich bis zur Bundestagswahl noch nicht geimpft bin. Dabei fällt mir ein, die Wettschuld ist noch offen, die muss ich definitiv noch begleichen (keine Sorge H., die Kiste Wein ist Dein)! Durch Suche und Recherche im Internet habe ich dann eine Ärztin gefunden, die AstraZeneca auch an nicht-eigene Patient*innen verimpfte und mich geimpft hat. Der zweite Impftermin läge noch in der Zukunft, wenn nicht vor zwei Wochen die Impfempfehlung geändert worden wäre: Kreuzimpfung für alle, die die erste Dosis Astra bekommen haben. Durch einen Zufall und Glück bekam ich direkt am nächsten Tag von einem Betriebsarzt mit einem Überschuss an Impfdosen meine zweite Dosis, diesmal Biontech. Ein paar Impfnebenwirkungen gab es dazu: eine Nacht mit Fieber und Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und zu viel Matsch im Kopf, um daran zu denken, dass ich eine Ibu nehmen könnte sowie der Folgetag mit gefühltem „Hangover“. Das war unangenehm, aber es ging (sogar recht zügig) vorbei und ab heute bin ich auch offiziell voll geimpft. Vielleicht sollte ich mir darauf erstmal einen Sekt aufmachen.

Praktisch zeitgleich mit meiner zweiten Impfung ging es übrigens los: die Infektionszahlen gingen wieder rauf und meine eigenen diesbezüglichen Sorgen werden befeuert von der Presse, die Stimmen veröffentlicht, die exponentiellen Anstieg und wieder überlaufende Intensivstationen spätestens im Oktober prophezeien. Himmel, ich weiß nicht, wie ich noch so einen Winter ertragen soll, gerade macht mich schon die Vorstellung fertig. Dabei geht es mir ja vergleichsweise gut in meiner Situation, für so viele andere war und ist es so viel härter. Ob es mir dabei am Ende hilft, dass ich geimpft bin? Ich weiß es nicht. Also natürlich schon, weil meine Chancen auf einen schweren Verlauf gering sein dürften. Das hilft aber erstmal nur mir und es hilft nicht gegen Lockdown und „Lagerkoller“. Das Einzige, was dagegen hilft, ist, wenn (möglichst) alle geimpft werden, zumindest aber so viele, wie irgend möglich. Organisatorisch ist das jetzt kein Problem mehr. Es ist ausreichend Impfstoff da, auch abseits vom (meiner Meinung nach zu Unrecht ungeliebten) Stiefkind AstraZeneca. Impfzentren, Ärzte, Betriebsärzte, alle können kurzfristig Impftermine anbieten und immer mehr Impfaktionen werden direkt vor die Haustüren oder auch die Clubs und Stadien gebracht. Trotzdem lässt gerade jetzt das Tempo nach. Nicht ganz unverständlich, die Urlaubszeit ist da, das Verschieben von Impfterminen ist schwierig und die noch niedrigen Zahlen suggerieren eine gewissen Sicherheit. Dabei hat inzwischen „Delta“ die Führung übernommen und die Zeichen für die weitere Entwicklung sehen nicht gut aus.

Bisher habe ich mir in die Kamera gehaltene, frisch bepflasterte Impfarme eher zweifelnd angeschaut. Jetzt denke ich dagegen „ganz egal, alles, was hilft, damit noch jemand, der bisher zweifelt, sich zum Impfen entschließt, ist wichtig“. Ob dieser Artikel das tut, weiß ich nicht. Aber ich will auch nicht die Gelegenheit verstreichen lassen. Ich bin übrigens ein Kind der 70er, ich hab damals noch die Pockenimpfung bekommen. Eine Impfung mit echt fiesen Nebenwirkungen übrigens, aber trotzdem so wichtig. Die Pocken gelten inzwischen als ausgerottet. Die Demokratie hat da sogar die Impfpflicht überlebt, vermutlich sogar deutlich besser, als wenn wir uns immer noch Gedanken über eine mögliche Infektion mit Pocken machen müssten. Auch gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio bin ich geimpft. Ich bin keine Medizinerin, aber soviel ist mir klar: die Chance auf die oft beschworenen Langzeit-Nebenwirkungen ist sehr gering, der Nutzen der Impfung dagegen kann wahrscheinlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der langen Rede kurzer Sinn: wenn Du noch nicht geimpft bist: Tu es jetzt! Für Dich, für mich, für uns alle. Bitte. Danke!

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Kommentare deaktiviert für Corona – ein Jahr später

tl:dr – uff, das ist lang geworden, deshalb hier einmal in kurz: Corona war letztes Jahr schon scheiße und ist es immer noch. Gefühlt haben wir außerdem nichts daraus gelernt und Wahlkampf ist wichtiger als nachhaltige Maßnahmen. Gilt für Corona und fürs Klima (für andere Themen übrigens genauso).

Mein Urlaub geht seinem Ende entgegen. Genau genommen ist er schon vorbei, offiziell war gestern, Freitag, mein letzter Urlaubstag. Heute hab ich dann nochmal meine Urlaubs-to-do-Liste gecheckt. Und neben anderen, zumindest teilweise abgearbeiteten Punkten stand da auch „Blog!!!“ drauf. Also hab ich diesen zumindest mal aufgerufen, Updates installiert und allgemein etwas aufgeräumt – was man halt so tut, wenn man den Blog seit einem Jahr hat verstauben lassen und dabei darüber nachgedacht, dass ich zumindest mal darüber schreiben könnte, wie sich die Gesamtsituation im Moment so anfühlt. Dabei bin ich darüber gestolpert, dass ich das vor einem Jahr schon einmal gemacht, aber nie veröffentlicht habe. Weil ich mich darauf beziehe, hab ich diesen ein Jahr alten Artikel also doch noch veröffentlicht. Er ist auch nach wie vor relevant.

Vor einem Jahr, als ich den Artikel geschrieben habe, näherte sich der erste Lockdown gerade dem Ende. Gut zwei Monate war alles zu, sogar Spielplätze abgesperrt und Treffen verboten. Mit dem Frühjahr sanken die Zahlen und wir haben gehofft, wir hätten das Schlimmste überstanden. Die Masken-Diskussion fing gerade erst an, Impfstoffe waren eine vage Hoffnung für die Zukunft – aber es ging alles zurück und die Situation und damit unsere Stimmung entspannte sich. Ja, eine zweite Welle hatte ich im Kopf, hab aber nicht damit gerechnet, dass es uns nochmal so hart erwischen würde. Dann kamen der Herbst und die Mutanten – und der nächste Lockdown. In Hannover hat es uns dabei heftig erwischt, die Alpha-Variante erreichte uns früh und somit hatte Hannover von November bis Mai durchgängig eine Inzidenz von über 100. Am 30. Oktober war ich das letzte Mal im Restaurant, danach war alles zu. Restaurants, Cafés, Museen, Theater, Kinos, Geschäfte. Private Kontakte extrem eingeschränkt: vier Personen aus zwei Haushalten? Nope, VERBOTEN! Höhepunkte der Woche: Einkauf im Supermarkt und die wöchentliche Pizza-Bestellung.

Ich hab nicht damit gerechnet, dass es uns so heftig erwischt. Womit ich auch nicht gerechnet habe, war, wie heftig mich das treffen würde. Wie sehr ich es vermissen würde, im Café zu sitzen und Kaffee zu trinken, mich im Restaurant mit Freunden zu treffen. Mittags mal essen zu gehen. Abends sponten noch etwas zusammen trinken zu gehen oder auch im Büro Kollegen zu treffen und beim Küchenschnack an der Kaffeemaschine ein paar Worte zu wechseln. Stattdessen Homeoffice (nicht immer, aber doch nennenswert), Pizzaservice, Mittagspausen-Spaziergänge und dazu auch noch Winter, Kälte und Regen. Erwähnte ich schonmal, was für ein Sommerfan ich bin? Also, mal völlig unabhängig von Corona, ist der Winter ohnehin nix für mich. Als es im Winter richtig kalt und verschneit war und ich nicht einmal mit dem Fahrrad z.B. ins Büro fahren konnte, hab ich den ersten, größeren Corona-Koller gehabt. Das hat sich danach noch mehrfach wiederholt, und die täglichen Nachrichten waren eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Impfstoff! Viel zu wenig Impfstoff! Neue Mutanten! Immer noch viel zu wenig Impfstoff! Weitere Verbreitung neuer Mutanten!

Tja, dabei sind wir nun: Aktuell verbreitet sich eine neue Mutante. Um diese im Griff zu halten, müssten möglichst viele Menschen hier doppelt geimpft sein. Einmal geimpft reicht bei der Delta-Mutante nicht aus. Aber nach 6 Monaten „Impfkampagne“ haben etwas unter 30% zwei Impfungen, etwa die Hälfte hat eine Impfung bekommen. Ich auch, einmal AstraZeneca, den ungeliebten Impfstoff. Wohlbemerkt: hier in Deutschland, völlig unabhängig davon, dass es in vielen anderen, arg von Corona gebeutelten Ländern noch viel schlimmer aussieht. Aktuelles Beispiel: Uganda. Aber auch hier, in unserem reichen Deutschland, lahmt die Impfkampagne wegen mangelnden Impfstoffs. Dabei können wir inzwischen davon ausgehen, dass die Delta-Variante uns in ein paar Wochen im Griff haben wird.

Was fehlt? Impfstoff, ok, das ist inzwischen ein alter Hut. Außerdem: Konzepte! Wir eiern genauso durch den Sommer, wie im letzten Jahr: gerade ist ja alles ganz gut, warum also darauf vorbereiten, wie wir mit wieder steigenden Fallzahlen umgehen wollen? Mir würde hier einfallen, die Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter mal auf so solide Füße zu stellen, dass die wirklich effektiv eingreifen und die weitere Ausbreitung verhindern können. Aber davon ist irgendwie gar nicht mehr so die Rede, oder? Mir fällt außerdem noch die Möglichkeit ein,mittels Luftfiltern usw. dafür zu sorgen, dass wir die Ausbreitung verhindern können, ohne die Menschen zu Hause einzusperren. Wir hoffen einfach, dass wir vielleicht genug Leute geimpft kriegen, damit es schon alles nicht so schlimm wird. Ja, das ist genauso schwammig-planlos, wie es hier klingt. Achso, und weil wir die Kinder nicht rechtzeitig geimpft kriegen und uns auch nicht schlüssig sind, ob wir das wirklich wollen, lassen wir die einfach weiter Maske tragen. Läuft, oder? Zeit, Geld und Gehirnschmalz in nachhaltige Lösungsansätze zu investieren (von der Impfung mal abgesehen) scheint aber nicht in den Wahlkampf zu passen. Spoiler: wir lockern jetzt vor den Wahlen für die gute Stimmung und beweihräuchern uns für die Impfkampagne und die Verantwortung für die vierte Welle und die verpassten Vorbereitungen muss dann die nächste Regierung übernehmen. Yeah, guter Plan, oder?

Außerdem fehlt noch: internationale Verantwortung und Zusammenarbeit. All das geht so ja auch nur in den reichen Staaten. Wo weniger Geld ist (oder die Regierung ignoranter, Grüße an Bolsonaro), da kann gar nicht viel gemacht werden und Impfungen gibt es auch (praktisch) nicht. Das sehen und hören wir mit Betroffenheit. Punkt, Ende der Durchsage. Da bewegt sich ungefähr genauso viel, wie beim Klima. Ein Thema, mit dem wir uns übrigens immer noch sehr viel mehr beschäftigen sollten, weil die Auswirkungen sehr viel schlimmer sein werden, als Corona. Nur nicht so schnell, dafür noch sehr viel nachhaltiger.

So, damit hab ich mir erstmal alles von der Seele geschrieben. Naja, nicht alles, aber das meiste. Wer bis hierhin durchgehalten hat: lies bitte auch meinen letzten Corona-Artikel. Danke!

Corona* und mehr

Apr
2020
12

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Original aus dem Mai 2020 – wegen nach wie vor bestehender Relevanz jetzt noch veröffentlicht.

Jaaaaaa, Corona. Das ist sicherlich aktuell das beherrschende Thema in der öffentlichen Diskussion. Noch vor 2 Monaten, hätte ich mir nicht vorstellen können, wie radikal sich unser aller Leben in so kurzer Zeit verändert würde. Es ist wirklich beeindruckend, was für umwälzende Maßnahmen ohne Wenn und Aber möglich waren und sind, die sich so massiv auf das öffentliche und private Leben aller Menschen auswirken und, nicht zu vergessen, auf die Wirtschaft – und das weltweit!

All das war innerhalb von kurzer Zeit möglich, abgesehen von rechtlichen Bedenken wurden dabei auch wirtschaftliche Erwägungen weitestgehend aus der Betrachtung ausgeschlossen: es geht schließlich um Menschenleben. Und ja, da stehe ich vollständig dahinter: Menschenleben sind in jedem Fall wichtiger, als Wirtschaftsunternehmen! Die Konsequenz muss uns aber auch klar sein: so ein Einschnitt geht nicht spurlos an der Wirtschaft vorbei, viele Unternehmen werden es nicht überleben oder noch lange daran knabbern. Das kostet Arbeitsplätze, es kostet Existenzen. Das sollte allen klar sein, ganz sicher ist es den Politikern klar, die die Entscheidungen treffen.

Zur Klarstellung: ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich NICHT bewerten, ob die Maßnahmen, wie sie jetzt gelten, angemessen, zu stark oder zu schwach sind, ob es Zeit ist, sie zu lockern oder zu verschärfen, ob wir sie in dieser Form noch lange Zeit oder nur noch wenige Tage haben werden oder sollten. Das bespricht derzeit jeder einzelne (virtuelle) Stammtisch, da gibt es, egal mit welchem Standpunkt, nichts Neues mehr dazu zu sagen.

Was ich an dieser Stelle vermisse, dass sind die darüber hinaus gehenden Themen. Corona bedroht uns aktuell und akut, es ist absolut wichtig, dass wir uns jetzt damit auseinandersetzen. Es gibt aber eine Bedrohung, die ich in letzter Konsequent noch für weitaus größer für die Menschheit und den gesamten Planeten halte: die Klimakrise. Diese ist nicht plötzlich verschwunden, als Corona in unser Blickfeld gerückt ist. Sie setzt auch nicht aus, solange Corona den Ton angibt. Sie wächst weiter, wird täglich größer und bedrohlicher. An einigen Stellen verschaffen wir der Natur und damit dem Klima gerade eine kleine Atempause, aber das reicht lange nicht aus, um den Klimawandel aufzuhalten. Trotzdem ist dieses Thema aus dem öffentlichen Diskurs und aus der politischen Diskussion weitgehend verschwunden.

Der Klimawandel wird die Wirtschaft auf jeden Fall schädigen, den Komfort beeinträchtigen und unzählige Menschenleben fordern. Schon deshalb müssten wir mit gleicher Konsequenz wie bei der aktuellen Corona-Pandemie, Maßnahmen beschließen und umsetzen. Aber noch haut uns der Klimawandel dazu nicht kräftig genug auf den Kopf – und wenn er es tut, wird es zu spät sein.

Politisch vor Allem traurig: man hört auch von den Parteien, die sich dieses Themas normalerweise annehmen, aktuell nichts dazu. Unsere Wirtschaft steckt bereits mitten in einem Umbruch, vieles wird sich neu ordnen müssen. Die Forderungen, das dann aber gleich klimaverträglich anzugehen und Klimaschutz als ein Hauptziel zu definieren, ist aber nur von Initiativen wie GermanZero zu hören. In Deutschland würde ich mir da gerade von den Grünen wünschen, dass sie sich hier äußern. Aber von denen ist aktuell praktisch nichts zu hören. Tatsächlich kann ich weder einschätzen, wie sie zu den aktuellen Corona-Maßnahmen stehen, noch, ob sie den Klimawandeln überhaupt noch im Blick haben – man hört dazu schlicht Nichts. Schade, was für eine vergebene Chance.

Ich würde mir Visionen wünschen, wie ein Wieder-Hochfahren und dabei ein teilweises Neugestalten der Wirtschaft der Umwelt, dem Klima und den Menschen nützen könnte. jetzt, genau jetzt wäre die Zeit für kreative und mutige Ideen. Wenn wir die Welt so plötzlich und so massiv verändern, dann lasst uns doch alles dran setzen, dass sie sich zum Besseren verändert und uns allen eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten ermöglicht! Die oben bereits erwähnte Initiative GermanZero hat dazu übrigens richtig gute Ideen!

*Fußnote: überall, wo hier von „Corona“ oder „dem Corona-Virus“ die Rede ist, ist COVID-19 gemeint.

Sabine

Feb
2020
10

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Kahle Bäume

Seit gestern Abend herrscht Sabine in Deutschland. Also, genau genommen schon früher. Bereits am Freitag meldete die DB, man möge Bahnfahrten von Samstag bis Dienstag besser vermeiden (Folgerichtig strandeten dann auch jede Menge Bahnreisende in den Bahnhöfen). Es gab Unwetterwarnungen. In den meisten Orten bleiben die Schulen heute geschlossen. Der Bahnverkehr steht still. Der Flugverkehr selbstredend ebenfalls. Vor dem Verlassen der Häuser wurde gewarnt. Einschränkungen, die unter diesen Voraussetzungen sinnvoll und folgerichtig erscheinen.

Die meisten Menschen würden unter solchen Voraussetzungen auch nicht fliegen wollen, zu groß die Angst, es könnte etwas passieren. Das ist grundsätzlich vernünftig. Ich muss heute trotzdem arbeiten und nach einigem Überlegen habe ich mich entschlossen, wie immer mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das war ausgesprochen ungemütlich: es regnet, die Straßen sind nass und die Autos spritzen einen zusätzlich nass, dazu kam unangenehmer Gegenwind und auf den Wege eine Menge herunter gefallene, kleine Äste. Hm, das stimmte jetzt nicht ganz mit dem gezeichneten und von mir erwarteten Katastrophenbild überein.

Wenn sich ein solches Vorkommnis ankündigt, dann sind wir schnell mit Maßnahmen: Zug- und Flugverkehr wird eingestellt, Schulen und Parks geschlossen, offiziell dringende Empfehlungen ausgesprochen, an die sich auch weitgehend gehalten wird, auch wenn es am Ende vielleicht gar nicht ganz so schlimm ist. Das ist gut so!

Wir stehen aber einer viel größeren Katastrophe gegenüber: die Klimakatastrophe kommt. Sie kommt so schnell, dass wir nicht mehr behaupten können, wir würden gar nicht merken, dass sich etwas verändert. In 100 Jahren ist dieser Planet vielleicht nicht mehr bewohnbar, dann gibt es hier vielleicht keine Menschen mehr (Hier werden zwei Szenarien sehr eindrücklich beschrieben)

Naja, in 100 Jahren leben wir sicherlich ohnehin nicht mehr. Auch unsere Kinder vermutlich nicht, weder die, die jetzt deswegen auf die Straße gehen, noch die, die wir jetzt in die Welt setzen. Unsere Enkel, ok. Die könnten es noch miterleben. Oder eben nicht, wie man es nimmt, aber das ist weit weg.

Ich bin jetzt 47 Jahre alt. Ich mache mir ja Hoffnungen, dass ich vielleicht noch 40 Jahre lebe. Unter derzeitigen Bedingungen wäre das absolut denkbar, vielleicht sogar mehr. Aber die Menschheit wird ja nicht in 100 Jahren plötzlich tot umfallen und dann ausgestorben sein. Da werden sich in den nächsten 40 Jahren schon so massive Veränderungen ergeben, dass es fraglich ist, ob meine Hoffnungen unter den Umständen noch realistisch sind. Die Hoffnungen sind gegründet auf die Möglichkeit, mich ausreichend und gesund zu ernähren, eine warme, trockene Wohnung, auf eine gut funktionierende medizinische Ordnung, geordnete und weitgehend friedliche politische Verhältnisse. In 40 Jahren wird vermutlich nichts davon mehr gegeben sein, wenn wir so weiter machen.

Trotz dieser sehr konkreten und massiven Bedrohung, vermisse ich die dringend notwendigen Notfallmaßnahmen, wie sie bei Sabine sofort ergriffen wurden. Maßnahmen im Bereich Verkehr (Flug und Auto, nicht so sehr Bahn), im Bereich Energiewirtschaft, und, am Allerwichtigsten, die dringenden Empfehlungen und damit auch verbundenen unbedingt notwendigen Maßnahmen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung.

Einer der größten, wenn nicht der größte Klimafaktor, ist die Landwirtschaft und hier insbesondere die Nutztierhaltung. Wir fressen uns buchstäblich in die Klimakatastrophe und ins Grab mit Schinkenbrötchen und Ei zum Frühstück, Currywurst/Pommes zum Mittagessen und Spaghetti Bolognese zum Abendessen. Die Nutztierhaltung verbraucht so viel Land (Weideflächen, aber auch Sojaanbau für Tierfutter), für das Wälder gerodet werden. Insbesondere die Wälder, die wir am dringendsten brauchen, die tropischen Regenwälder.

Unsere Kinder und unsere Enkel werden uns fragen, warum wir nichts gemacht haben. Wir haben das Alles doch gewusst, wir haben es doch kommen sehen. Die Wissenschaftler warnen seit Jahren vor dem Klimawandel. Keiner von uns wird später sagen können, wir hätten es nicht gewusst. „Wäre es so schwer gewesen, kein Fleisch mehr zu essen, keine Milch mehr zu trinken? Ihr hattet doch alles, Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte…“ – Was werden wir dann sagen? „Nö, aber so war es viel bequemer und Fleisch war ja auch lecker und eigentlich war es uns ziemlich egal, ob wir damit die Erde und das Klima zerstören?“

Auf tierische Produkte zu verzichten ist die Maßnahme, mit der jeder einzelne Mensch den größten Beitrag leisten kann. Auf Flüge verzichten: ja, wichtig! Weniger Auto fahren: ja, superwichtig! Tierische Lebensmittel mindestens massiv reduzieren, besser darauf verzichten: unumgänglich!

Wir brauchen die schnellen Sofortmaßnahmen, die massiven Reaktionen durch Politik und Wirtschaft, weil uns eine Katastrophe bevorsteht, in diesem Fall noch viel mehr, als bei Sabine. Aber auch gerade weil sie dort nicht kommen, muss jeder einzelne von uns seinen Teil tun. Kein Fleisch essen, keine tierischen Lebensmittel – dafür Politik und Wirtschaft wachrütteln!

posted by on Allgemein, Geld und Finanzen

Kommentare deaktiviert für Schulden Teil II: Der Wahrheit ins Auge sehen

Teil I erledigt und alles, wirklich alles aufgeschrieben? Dann kommt jetzt der wirklich harte Teil: die Zahlen anschauen und entscheiden, wie es weiter gehen kann. Emotional ist das der schwerste Teil. Die gute Nachricht ist: es kann nur besser werden! Selbst wenn die Zahlen verheerend sind, es befreit und bringt uns voran, wenn wir sie annehmen und aktiv damit arbeiten. Es ist der erste Schritte, um aus der Misere heraus zu kommen. Ab jetzt geht es ums heilen, ums besser werden, darum, den Weg zurück in die schwarzen Zahlen auf dem Konto zu finden.

Also los geht es. Wir haben alle Zahlen zusammen, jetzt heißt es, die Zahlen entsprechend zusammen zu stellen. Wir benötigen alle Einnahmen auf der einen Seite, alle Ausgaben auf der anderen Seite, von jedem eine Summe und am Ende die Differenz Einnahmen minus Ausgaben. Im Idealfall ist die Differenz positiv, wenn Du das hier liest, ist die Chance vermutlich größer, dass die Differenz negativ ist.

Der erste Blick: Ausgaben oder Einnahmen, welcher Betrag ist höher?

Der Betrag auf der Ausgabenseite ist höher, als der auf der Einnahmenseite? Ja, das war irgendwie zu erwarten, irgendwoher kommen die Schulden ja, nicht wahr. Aber der Reihe nach. Prüfe nochmal, ob Du wirklich alles aufgeschrieben hast. Posten unter den Tisch fallen zu lassen, damit Dich das Ergebnis nicht noch mehr erschreckt, ist nicht hilfreich. Wenn alles zusammen ist, ist die Höhe entscheidend: je weiter die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, desto radikaler muss die Lösung ausfallen. Schreib also die Summe auf und schau sie Dir an: es ist trotz Allem nur eine Zahl. Sie kann Dein Leben durchaus verändern – vermutlich wird sie das. Aber Du hast das Ruder in die Hand genommen, es liegt an Dir, wie diese Veränderung aussieht. Für Dich geht es damit weiter mit dem Blick auf das Detail, ein Abschnitt weiter unten.
Die Einnahmen sind höher als die Ausgaben? Trotzdem gibt es aber Schulden, die nicht zu bewältigen scheinen? Dann fang bitte damit an zu überlegen, ob Du etwas vergessen hast. Eine recht typische Ursache könnte sein, dass Du nur die Ausgaben aufgeschrieben hast, die Du tatsächlich tätigst, aber nicht die Ausgaben, die Du tätigen müsstest, also z.B. Raten, die Du aber nicht zahlst. Dann nochmal Zähne zusammen beißen und los: auch diese Ausgaben müssen hier mit rein. Einfach nicht bezahlen ist nämlich nur eine sehr kurzfristige Lösung. Was auch sein könnte: eigentlich wird alles bedient, aber ein (dicker) Posten liegt Brach, für diesen gibt es keine Ratenvereinbarung, er wäre einfach einmalig fällig. Ok. Schreib diesen (oder diese) bitte gesondert auf, wir schauen sie uns extra an.

Der Blick auf das Detail: welche Posten sind problematisch?

Ok, Du hast die Summe gesehen, jetzt heißt es, nicht nur auf diese zu schauen, sondern zu den Details zu gehen. Gibt es einen oder mehrere Posten, die das Gleichgewicht ins Kippen bringen? Also z.B. „alles im grünen Bereich, aber durch die Raten für den Kredit ist es nicht mehr zu wuppen“? Typische Posten hierfür sind eben genau die Raten für einen oder mehrere Ratenkredite oder die Miete. Auch häufig: jeder einzelne Posten sieht ok und machbar aus, aber insgesamt summiert es sich so sehr, dass es nicht mehr zu den Einnahmen passt. Das entsteht häufig dadurch, dass man denkt „ach, diese Zusatzsumme pro Monat ist so gering, das ist kein Problem“ und sich dann die kleinen Zusatzbeträge doch zum Problem summieren. Dritte Möglichkeit: Der oder die oben bereits erwähnten Einmalposten. Das regelmäßige geht, aber es ist kein Spielraum, um die zu bezahlende Einmalsumme zu bewältigen.

Das war es für heute: wir sind in die Ursachenanalyse eingestiegen. Ja, ich weiß, das bringt Dich der Lösung immer noch nicht näher. Damit beschäftigen wir uns im dritten Teil, ich verspreche, der wird nicht so lange auf sich warten lassen!

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Kommentare deaktiviert für Denn erstens kommt es anders…

Leben ist, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben.

Henry Miller, Quelle: https://natune.net/zitate/zitat/297

Ich hatte mir vorgenommen, meine Serie über Schulden bereits vor über einer Woche weiter zu schreiben. Das hat nicht geklappt. Das Leben kam dazwischen, genauer gesagt war es der Tod. Mein Vater ist gestorben und neben organisatorischen Anforderungen, die dazu führten dass das Wochenende anders verlief, als geplant, hat sein Tod mein Leben auch emotional gehörig durcheinander geworfen.

Ich bin schon lange kein Kind mehr und der Abschied war nicht wirklich plötzlich, trotzdem verändert sein Tod mein Leben. Ich möchte, dass er das tut! Ich schaue zurück auf das, was mir mein Vater mitgegeben hat. Das war vor Allem Respekt vor dem Leben. Respekt vor den Menschen, ganz maßgeblich aber auch vor den Tieren und vor der Natur.

Ich möchte das weiter leben und weiter geben. In dieser Situation lese ich davon, dass die Kapitänin eines Seenot-Rettungsschiffs verhaftet wird, weil sie in höchster Not einen Hafen anläuft um die geretteten Menschen dort sicher abzuliefern. Ich lese, dass ungeachtet der Auswirkungen auf die Tierwelt ein neuer Schwung Pestizide (wieder) eine Zulassung bekommen hat und dass unsere Bundesregierung nach wie vor meint, dass wir erst die Arbeitsplätze schützen müssen, bevor wir darüber nachdenken können, die Umwelt und das Klima zu schützen.

Vor ein paar Jahren habe ich einigermaßen frustriert mein politisches Engagement eingestellt. Ich denke, ich bin soweit: ich will wieder! Die Frage ist jetzt nur: wo denn?

Ich sehe mich im Moment eher nicht in einer politischen Partei, ich wüsste auch nicht, in welcher. Aber wenn Ihr Ideen habt, wo ich mich sonst einbringen könnte (NGO oder so, hier in Hannover), ich bin für Vorschläge offen!

Mit den Schulden geht es dann im nächsten Artikel weiter!

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Kommentare deaktiviert für Schulden, Teil I: wo stehe ich?

Money makes the world go round. Wenn das Geld knapp wird, ist das zunächst kein größeres Problem: der Dispo wird es richten, darauf folgt ein Kredit und dann schiebt man das Bezahlen von Rechnungen halt ein Stück raus, dann geht das schon. Ich bin zeitweise eine große Künstlerin im Jonglieren mit Rechnungen und Zahlungen gewesen.

Irgendwann kam aber der Punkt, an dem ich mir eingestehen musste, dass es jetzt ein Problem ist. Weil ich den Überblick verloren habe, weil ich mich nicht mehr getraut, die Post zu öffnen, oder erst nach langem Überwinden. Weil bei allem Schieben und jonglieren mit dem Geld trotzdem die Frage im Raum steht, wovon die nächste Miete oder der Wochenendeinkauf bezahlt werden soll und ob die EC-Karte wohl noch Geld rausrückt.

Spätestens an diesem Punkt ist es Zeit, sich einen Ruck zu gehen und die Sache anzugehen. Ich weiß, dass das nicht leicht ist. Die Illusion „das ist nur ein vorübergehendes Problem, nächste Woche oder nächsten Monat ist das vorbei“ ist nur zu einfach aufrecht zu erhalten. Wir mögen keine Veränderungen und sich damit ehrlich auseinander zu setzen, riecht nach Veränderungen, die weh tun. Ganz ehrlich: spätestens, wenn der Nachtschlaf leidet und die Sorgen das Leben bestimmen, tut es weniger weh, das Problem anzupacken, als es zu ignorieren. Und je früher man es anpackt, desto größer die Chancen, mit einem blauen Auge raus zu kommen.

Also, Schritt 1: Ein Blatt Papier oder eine neue Excel-Tabelle öffnen, alle Kontoauszüge, nicht geöffneten Briefe usw. sammeln und ran an die Bestandsaufnahme.

  • Welche Konten gibt es und wie viel Geld ist drauf ?
  • Welche Ratenkredite habe ich, in welcher Höhe und wie sind die Monatsraten (Zinssatz mit notieren!)
  • Welche Rechnungen und in welcher Höhe warten im Moment auf Bezahlung?
  • Wie hoch sind die monatlichen fixen Kosten, also Miete, Strom Telefon usw.
  • Wie hoch sind im Durchschnitt die variablen Posten? Dazu zählen Einkäufe usw.?
  • Wie hoch sind die Einnahmen, die jeden Monat rein kommen. Bei Selbständigen dabei wichtig: nicht mit dem bestmöglichen Monat rechnen, sondern mit dem Durchschnitt oder mit eher einnahmeschwächeren Monaten! Wenn man nur von den stärksten Monaten ausgeht, verzerrt man das Ergebnis gewaltig!

Schreibt alles auf, die nackten Zahlen tun weh, aber am Ende tut die Vorstellung der Zahlen mehr weh, als wenn man sie tatsächlich kennt. Der erste Schritt ist: nicht interpretieren, nur aufschreiben. Es hilft für alles weitere, wenn man die eigenen Zahlen kennt. Ich kenne selbst das Gefühl, wenn man dann alles aufgeschrieben hat. Wie betäubt habe ich vor den Zahlen gesessen. Aber letztendlich tat es gut, es war keine Bedrohung in unbekannter Höhe mehr, sondern eine Größe, mit der ich rechnen konnte. Es war immer noch bedrohlich, die Summen machen auch Angst, aber es war greifbar und damit etwas, das man in Angriff nehmen konnte.

Weiter geht es in den nächsten Tagen mit Schritt II, in dem es darum geht, zu entscheiden, wie es weiter gehen kann.

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Kommentare deaktiviert für Die Klimakrise und ich

Fridays for Future. Kennt inzwischen hoffentlich jeder, oder? Vergangenen Freitag (14. Juni) war in Hannover Friday for Future-Fahrraddemo. Ca. 1000 überwiegend jugendliche Demonstranten mit Fahrrädern fuhren durch die hannoversche Innenstadt und demonstrierten für Klimaschutz, Ausstieg aus der Kohleenergie und Umstieg vom Auto aufs Fahrrad.

Die Forderungen richten sich natürlich in erster Linie an die Politik. Sie sind auch ein Weckruf an die Bevölkerung, vor Allem geht es aber um Forderungen, die die Politik umsetzen soll. In den Demonstrationen wird weltweit ein Umdenken in der Politik gefordert, eine Priorisierung des Klimaschutzes und das Ergreifen von politischen Maßnahmen zur Sicherung des Erreichens der Klimaziele, besser noch darüber hinaus. Das ist definitiv unglaublich wichtig, gerade in Anbetracht aktueller Meldungen über ein deutlich schnelleres Schmelzen von Permaeisflächen usw.

Das sind Forderungen, hinter denen ich absolut stehe: die Politik muss weltweit umschwenken und die Klimapolitik ganz nach vorne auf die Agenda stellen. Es geht dabei um unser aller Leben! Meine Hochachtung gilt dabei den jungen Menschen, die diese Demos mit langem Atem organisieren und immer wieder voran treiben. Ihr seid Helden!

Das kann allerdings noch nicht alles sein. Natürlich muss die Politik handeln, aber das allein reicht nicht! Jeder von uns muss etwas tun. Damit meine ich nicht nur, an Demos teil zu nehmen, wie an der Fahrraddemo letzten Freitag. Das hat Spaß gemacht, das war toll – aber wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir alle etwas tun. Das ist der Punkt, an dem es schwieriger wird. Im Gegensatz zur Teilnahme an einer Fahrraddemo tut es da weh. „Ich alleine kann ja gar nichts tun“ zählt nicht.

Dann sollten wir alle uns mal unser eigenes Leben anschauen und fragen „was kann ich denn tun? Wo belaste ich das Klima und die Umwelt?“ Da gibt es einiges und alles hat mit eigenen Gewohnheiten und der eigenen Bequemlichkeit zu tun: dem eigenen Auto, dem tollen Urlaub, den eigenen Gewohnheiten. Viele Anregungen dazu, was jeder tun kann, findet man im Internet, z.B. hier.

Früher oder später kommen wir zu dem Punkt, an dem es dann wirklich weh tut, an dem jeder Einzelne aber am Meisten beitragen kann: der größte CO2-Verusacher ist die Massentierhaltung. Weniger abstrakt: der größte Klimakiller ist das Schnitzel oder der Burger zum Abendessen, die Wurst oder der Käse aufs Brot und das Ei oder der Joghurt zum Frühstück. Dabei hilft auch der Umstieg auf „Bio“ nicht, das verursacht kaum geringere CO2-Emissionen. Hier hilft nur weniger, am Besten gar keine tierischen Produkte mehr konsumieren.

Das ist fast unmöglich politisch zu „verordnen“, wir denken nur an den Protest, als ein Veggie-Day in Kantinen auch nur angedacht wurde. Diese Entscheidung kann nur jeder für sich selbst treffen, hier muss das Umdenken von „unten“ erfolgen: als Verbraucher haben wir die Macht, das zu ändern und damit unserer Umwelt den größten Dienst zu erweise. Je mehr Menschen das tun, desto eher wird auch die Politik darauf reagieren.

Wer die Forderungen, das Klima zu retten, ernst meint, kommt nicht darum herum, bei sich selbst anzufangen. Also los, fangen wir an!

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