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Kommentare deaktiviert für Die Zukunft auf vier Rädern

Demnächst ziehe ich um. Ab Anfang Mai werde ich nicht mehr nur wenige Minuten Fußweg von meinem Geschäft entfernt wohnen, sondern etwa 30 km entfernt in der nächsten Großstadt. Das ist ein guter Grund darüber nachzudenken, wie ich diese Entfernung zurück legen werde.

Auto oder ÖPNV?

Mit dem Auto bin ich schneller und flexibler, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich kann zur von mir gewählten Zeit fahren und muss mich nicht über Verspätungen der Bahn ärgern oder über überfüllte Züge. Dafür stehe ich vielleicht im Stau und ich muss auch mit den Kosten rechnen: für eine Person alleine ist Autofahren ganz schön teuer!

Als ich den Führerschein gemacht habe…

Das war 1990, ich war 18 Jahre alt (ist das lang her…). Damals kostete das Benzin 1,42 pro Liter. DM versteht sich! Das sind umgerechnet etwa 0,70 €. Gestern war mein Tank mal wieder leer, das Benzin kostete mich 1,59 € pro Liter, mehr als das doppelte.  Auch vor meiner aktiven Autofahrer-Karriere sah es nicht wesentlich besser aus: insgesamt sind die Preise seit den 50er Jahren nur gestiegen, seit den 90er Jahren sogar ganz massiv. 1950 kostete das Benzin umgerechnet 0,28 € je Liter. 1972, im Jahr meiner Geburt kostete Benzin etwa 0,40 €.

Preise gehen stetig aufwärts – warum?

Schon der heutige Steueranteil ist höher, als „damals“, in meiner Kindheit, der komplette Benzinpreis. Seit 2003 zahlen wir für jeden Liter Benzin gleichbleibend rund 0,65 € Steuern. Dieser Anteil ist konstant, ändert sich also nicht mit Benzinpreisänderungen. Trotzdem gehen die Preise immer weiter rauf. Das kommt zum Teil daher, dass Öl ein knappes Gut ist. Die Vorräte gehen langsam aber sicher zur Neige, je seltener Öl ist, desto wertvoller wird es. Die Konzerne verstehen das auch auszunutzen und verknappen das verfügbare Öl zusätzlich. Zum Anderen liegt es auch daran, dass gerade hier bei uns das Auto „der Deutschen liebstes Kind“ ist.  „Kostet das Benzin auch 3 Mark und 10, scheissegal, es wird schon gehen“ sang Rio Reiser. Bei den 3 Mark und 10 sind wir jetzt in etwa – und tatsächlich, es geht, weil wir nicht auf das Auto verzichten wollen, egal, wie teuer es uns kommt.

Und wie geht es weiter?

Benzin wird nicht billiger. Wir können fest davon ausgehen, dass das auch in Zukunft so sein wird. Die Schlagzeile „Benzinpreis erreicht neues Rekordhoch“ hat sich inzwischen abgenutzt, sie wiederholt sich allzu regelmäßig. Die Ölreserven werden immer weniger, Kraftstoffe aus Rapsöl und ähnlichen biologisch anbaubaren Rohstoffen setzen sich nicht flächendeckend durch. Auch die Alternative „Elektroauto“ ist kein so durchschlagender Erfolg, wie erhofft. Wie weit der Benzinpreis noch steigt, liegt auch an uns, denn auch hier hängt die Preisentwicklung von Angebot und Nachfrage ab. Neben der Frage, wie lange wir uns das eigene Auto noch leisten können, sollten wir auch überlegen, wie lange wir uns diese Entwicklung noch leisten wollen. Der Benzinpreis wird hoch gehen, solange wir zulassen, dass er das tut. Nur wenn ausreichend Menschen auf das Auto ganz oder teilweise verzichten, haben wir eine Chance, diese Entwicklung zu stoppen.

Die Alternativen

Ich bin da nicht allzu optimistisch: Wir hängen an unseren Autos. Wer darauf verzichtet, gibt ein gutes Stück persönliche Bequemlichkeit ab. Für diesen Komfort sind wir offensichtlich bereit einen hohen Preis zu zahlen, das zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Die Utopien von Hoverboards und fliegenden Autos mit ungeklärter Kraftstoffquelle, wie sie „zurück in die Zukunft“ für dieses Jahr vorhersah, haben sich nicht erfüllt, wer individuell und bequem unterwegs sein will, fährt nach wie vor Auto. Umdenken ist da schwierig. Ein Ansatz dazu ist übrigens der fahrscheinlose öffentliche Personennahverkehr, wie die Piraten ihn fordern. Wenn wir mit dem Auto fahren, sollten wir uns bewusst sein, dass wir mit jedem Kilometer auch zukünftige Preiserhöhungen rechtfertigen und festschreiben. Es liegt an uns – mal wieder. Lobbyinteressen, Monopolisten, all das, was wir für die Benzinpreisentwicklung verantwortlich machen, funktioniert nur so lange, wie wir mitspielen.

Unsere Benzinpreise von 1950 bis heute

Quelle: http://www.t-online.de/auto/service/id_62745734/benzinpreise-die-entwicklung-seit-1950.html

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Jahrelang, ach was, jahrzehntelang wurde uns erzählt (in erster Linie von den Banken, aber es schien doch allgemeiner Konsens zu sein), dass Geld, dass wir übrig haben, auf die Bank gehört. Es ist nicht etwa zu Hause in der Spardose oder im Sparstrumpf unter der Matratze richtig aufgehoben, sondern bei der Bank auf einem Sparkonto oder in ein Aktienpaket investiert, wo es Zinsen bringt und sich vermehrt. Zu Hause, so hörten wir, wird das Geld ja nicht mehr, sondern durch die Inflation immer weniger. Schlimmstenfalls, bei einem Einbruch, ist das ganze Geld dann weg.

Also haben wir unser Geld brav zur Bank getragen. Wir haben es der Bank anvertraut. Für die kleinen Anleger waren die Verdienstspannen dabei mehr als mager: die 0,1 bis 2,0 Prozent auf das Sparbuch gleichen nicht einmal die Inflation aus. Jetzt kommt aber der Schock: Bankenkrise in Zypern. Nicht die erste in Europa, aber die erste, für die die kleinen Sparer direkt bezahlen: 6,75 Prozent von Spareinlagen unter 100.000 Euro werden direkt einbehalten und können von den Bankkunden gar nicht mehr abgehoben werden.

Die ursprüngliche Garantie, dass Spareinlagen unter 100.000 Euro in jedem Fall geschützt sind, gilt damit nicht mehr. Über Nacht und bevor die privaten Anlieger reagieren konnten, waren die Gelder eingefroren, noch bevor das dafür notwendige Gesetz zum Einzug der Gelder überhaupt beschlossen war. Da gewinnt so ein Sparstrumpf doch unerwartet an Attraktivität, aus dem kann man wieder heraus holen, was man hinein gesteckt hat, ganz im Gegensatz zum Sparkonto, offensichtlich.

Das betrifft uns nicht? Das stimmt, das betrifft uns nicht. Noch nicht. Wer kann jetzt schon sagen ob nicht die finanziell angeschlagenen Ländern Portugal, Italien, Frankreich oder irgendwann einmal in Zukunft auch Deutschland zu ähnlichen Maßnahmen greifen werden.

Zumindest betrifft es uns also noch nicht direkt. Letztlich betrifft uns die ganze Sache schon lange. Wir bringen unser Geld zur Bank. Dort lagert es aber nicht im Tresor, sonst würde es nicht mehr bringen, als der Sparstrumpf, im Gegenteil, für die sichere Lagerung müssten wir noch zahlen (wobei sicher: haha, jaja, solange der Staat nicht dran will, ne?), sondern es soll “arbeiten”.

Es ist kaum zu erklären, warum Banken sich fast schon regelmäßig verspekulieren und das Geld der Anleger verzocken. Egal, wo in Europa das passiert und welche Bank es betrifft: wir alle zahlen dann mit unseren Steuergeldern dafür, dass diese Banken und unsere Gelder auf den Konten gerettet werden. Wir haben kaum Kontrolle darüber, was bei den Banken passiert, aber wir zahlen dafür, wenn es schief geht. Die Ausgaben dafür übersteigen gerade bei den Kleinanlegern die Einnahmen durch die paar mickrigen Prozente auf dem Sparkonto schon lange. Wir sehen es nur nicht so direkt, wie die kleinen Bankkunden in Zypern das jetzt tun: die merken ganz direkt, dass das Geld von ihrem Konto runter geht, wir bezahlen Pleiten, Pech und Pannen bei den Banken über unsere Steuern. Vielleicht ist so ein Sparschwein da gerade nicht das dümmste aller denkbaren Sparmodelle?

Letztlich brauchen wir überall in Europa und der Welt mehr Möglichkeiten sowohl den Banken als auch den Politikern auf die Finger zu schauen und bei Bedarf auch auf die Finger zu klopfen, damit sie sorgfältiger mit unserem Geld und unseren Existenzen umgehen. Eine Trennung der Banken in Spar- und Investmentbereiche, bei denen die Gelder des einen nicht zur Begleichung der Forderungen des anderen heran gezogen werden dürfen, wäre ein erster Schritt in diese Richtung. Freie Märkte sind nicht die Lösung aller Probleme, sie werfen neue Probleme auf, für die wir jetzt Lösungen finden müssen. Wir sollten sie schnell finden, bevor uns wirklich nur noch die Pfennige im Sparschwein bleiben, und sich die Staaten an dem wenigen sauer Ersparten frei bedienen…

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Die Süddeutsche vergleicht heute Parteivorsitzende mit Erziehern und kommt dabei zu keinem guten Ergebnis. Mit Recht, wie ich finde, nur leider mit der falschen Begründung.

Mutti von der Leyen möchte Hartz4-Empfänger zu Erziehern weiterbilden, um damit auf die Schnelle die Lücke in der Kinderbetreuung stopfen zu können. Die Süddeutsche vergleicht das mit der Kandidatur von Herrn Horn für den Parteivorsitz der Linken und stellt fest: Neigung reicht nicht aus für einen Parteivorsitzenden, die Eignung spielt die Hauptrolle. Genau da setzt die Süddeutsche auch bei den zu Erziehern umfunktionierten Hartz4-Empfängern an: keine entsprechende Ausbildung, also auch keine Eignung, das spricht für eine schlechte Wertschätzung sozialer Berufe, da die offenbar jeder so nebenher machen kann. In diesem Punkt stimme ich der Süddeutschen zu, die Wertschätzung für soziale Berufe ist einfach grottenschlecht und das ist wirklich ein Skandal.

Bei der Begründung bin ich jedoch nicht mehr bei der Süddeutschen, das Problem sehe ich an einer ganz anderen Stelle: es sind die Neigungen, die auch die Befähigungen eines Menschen in besonderem Maße ausmachen. Nur wenn wir den Menschen die Möglichkeit geben, sich gemäß Ihren Neigungen zu verwirklichen, nehmen wir sie als Menschen ernst.

Wenn wir jetzt Menschen allein aufgrund der Tatsache, dass Sie keiner anderweitigen Berufstätigkeit nachgehen, in die sozialen Berufe drängen, als was sehen wir sie dann? Das ist an so vielen Stellen falsch, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Zunächst einmal wollen wir Menschen, die sich durch nichts außer der Tatsache, dass sie irgendwie „verfügbar“ sind dafür qualifiziert haben, die Betreuung unserer Kinder anvertrauen. Ich habe ja das Gefühl, dass bei jedem Babysitter mehr Sorgfalt bei der Auswahl walten würde.

Dann werten wir die sozialen Berufe weiter ab, denn letztlich geht es ja um schnelle Arbeitskräfte, nicht darum, sorgfältig ausgebildete Fachkräfte in ordentliche und entsprechend bezahlte Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Auf der Basis von 1-Euro-Jobs sollen billige Arbeitskräfte rekrutiert werden, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie sich staatlich verordnet kaum dagegen wehren können.

Das Wichtigste ist aber: es ist absolut menschenverachtend, Menschen völlig unabhängig von ihren Neigungen und Fähigkeiten in Jobs zu zwängen, nur weil da gerade (billige) Arbeitskräfte gebraucht werden. Jeder dieser potentiellen Aushilfserzieher bringt besondere Talente mit. Würden wir ihm helfen, diese auszubauen und sich damit zu verwirklichen, könnte er herausragende Leistungen auf genau seinem Gebiet bringen. Mit der angestrebten Vorgehensweise würden wir riskieren, das sehr viele Menschen, die Ihre Neigung auf einem ganz anderen Gebiet sehen, völlig gegen ihre individuelle Befähigung arbeiten müssen und dabei naturgemäß vergleichsweise schlechte Leistungen erzielen werden. So stellen Menschen nur „Material“ dar, keine Individuen, das ist mehr als traurig.

Davon, dass wir Menschen und ihre Bedürfnisse und ihre Fähigkeiten wirklich Ernst nehmen, sind wir leider noch weit entfernt. Das zeigt auch dieser Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Yeah, Sommer!!!

Mai
2012
28

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Frauen, sagt man, frieren sowieso schneller als Männer. Für mich persönlich stimmt das. Subjektiv würde ich sogar sagen: ich friere schneller als die meisten anderen Menschen. Genau genommen fange ich im Oktober damit an und friere und bibbere einfach durch bis Mai. Den haben wir jetzt übrigens, genau genommen ist er schon fast wieder vorbei (und mein schlechtes Gewissen hat mich jetzt schon recht lange daran gehindert, hier rein zu schauen) und tatsächlich: ich friere nicht! Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und meine Laune erreicht ungeahnte Höhepunkte.

Da konnte noch nicht einmal der kleine emotionale Tiefschlag meines 40. Geburtstags etwas daran ändern. Das schlimmste daran war nicht der Geburtstag, aber wenige Tage vorher sagte eine Kundin zu mir „Naja, Sie sind ja auch schon weit über 40…“ – DAS hat gesessen. Aber ich rede mir ein, dass sie eine neue Brille braucht, das hilft ein wenig.

Das Pfingstwochenende war jedenfalls so gesehen ein voller Erfolg: Samstag und Sonntag war ich bei Piraten-Infoständen. Im Gegensatz zum Infostand Mitte Mai, nach dem ich noch völlig durchgefroren nach Hause gekommen bin (kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Winterwahlkampf – das wird ein Spaß) war es das reine Vergnügen: draußen stehen, Ballontiere herstellen, mit den Leuten reden, zwischendurch über das Fest der Kulturen am Rathaus schlendern und etwas leckeres und exotisches essen – ja, so macht das Spaß.

Dabei hatte ich für dieses freie Wochenende eigentlich geplant die Wohnung sauber zu machen und mich mit der Buchführung zu beschäftigen. Hat nicht so richtig geklappt. Immerhin schreibe ich hier mal wieder ein paar Worte, wenn auch wirklich belangloses Zeug. Gleich fahre ich dann nach Hannover: Strandbar und Biergarten zum Wochenendausklang: Yeah, Sommer!!!

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„Die Schlecker-Frauen fordern eine Transfergesellschaft“ knarzte es gestern morgen nur Minuten nach dem Weckerklingeln aus dem Radio. Von Protesten der Schlecker-Frauen war die Rede, von der großen Enttäuschung der Schlecker-Frauen. Die Frage, die sich in meinem noch halbschlafenden Kopf dazu formte, war: wer hat sich denn das ausgedacht? Schlecker-Frauen? Bin ich die einzige, deren feministische Ader da zuckt?

Es sind Angestellte der Firma Schlecker, die die Straße gehen und Ihre Enttäuschung und ihre Angst ausdrücken. Eine große Zahl von Angestellten, die fürchten müssen, von einem Tag zum anderen ihren Arbeitsplatz zu verlieren und auf der Straße zu stehen. Sie protestieren, weil sie der Meinung sind, dass ihnen die Politiker zu wenig helfen, zu wenig Unterstützung bieten. Das ist ihr gutes Recht und dafür ist es völlig unerheblich, ob es sich um Frauen handelt, um Männer, oder um transsexuelle Eichhörnchen.

Es gibt keinen Grund, mit jedem Wort, mit jedem Bericht darauf hinzuweisen, dass es sich fast ausschließlich um Frauen handelt. Ich sehe nur einen Grund, warum es doch eine Rolle spielen kann: wenn man feststellt, dass es die Schlecker-Frauen sind, die ihren Job verlieren. Die haben ja hoffentlich zu einem großen Teil einen Mann. Stellt Euch vor, es wären lauter Schlecker-Männer, die ihre Familie ernähren müssen und plötzlich ohne Job auf der Straße stehen!

Diesen Gedanken dahinter zu vermuten ist absurd? Genau! Es ist egal! Es spielt keine Rolle ob es Frauen oder Männer sind, es sind Menschen, die jetzt auf der Straße stehen. Es ist der griffige Ausdruck, der dazu geführt hat, dass überall von den Schlecker-Frauen die Rede ist – das macht es aber nicht besser.

Frauen verdienen im Schnitt in den gleichen Jobs für jeden Euro, den ein Mann verdient, nur 80 Cent. Habe ich gestern gelesen, hat mich wieder einmal entsetzt. Wir haben noch viel zu tun, wir haben noch einen großen Berg vor uns, bis wir bei wirklicher Gleichbehandlung sind. Die Veränderungen passieren in den Köpfen, wo ein Gedanken den nächsten anstößt. Unsere Sprache ist dabei ein Punkt auf der Liste abzuarbeitender Baustellen. Ich bin kein Freund von „Bürgerinnen und Bürgern“, schon gar nicht von „InteressentInnen“, ich bin Bürger, Interessent, Pirat, Blogger, Leserin, Fußpflegerin, Wähler, Hundehalterin….. all das, mit und ohne „in“. Die Unterscheidung führt hier nicht zu mehr Gleichbehandlung, sie teilt uns in Männer und Frauen, wo das gar nicht nötig ist. Der Ausdruck Schlecker-Frauen reduziert die Not der Angestellten auf ein Frauenproblem. Ein Meilenstein auf dem Weg zur wirklichen Gleichbehandlung wäre es, wenn Fragen und Gedanken, wie ich sie hier stelle, nicht mehr zu der Reaktion „Bist Du aber empfindlich!“ führen, sondern dazu, dass wir über unbewusste und unbeabsichtigt sexistische Äußerungen nachdenken und reden.

Wir stilisieren das Thema zum Tabu. Als Frauen „stehen wir da doch drüber“. Wenn meine feministische Ader schmerzvoll zusammen zuckt, überspiele ich es mit einem Lachen und einem Spruch. Wir wollen nicht darüber reden, denn Gleichbehandlung, Gleichberechtigung und PostGender bedeuten auch, dass wir über solche Fragen längst hinweg sind und locker mit Sprüchen und sprachlichen Entgleisungen umgehen können. Ich sage: können wir nicht. Sie sind ein Indikator dafür, dass es in den Köpfen noch keine echte Gleichbehandlung gibt.

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Ich habe es zur Abwechslung nicht verpasst und beim Picture My Day mitgemacht! Das war diesmal ein Samstag, für mich noch dazu ein Hausarbeitssamstag, aber hey, für die langweiligen Motive kann ich nix 😉

 

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Herr Wulff ist ein Thema, das hoffentlich bald endgültig abgeschlossen ist. Im Moment bewegt es die Gemüter aber noch. Monatelang hat er versucht uns mit Informationen in leicht verdaulichen Häppchen abzuspeisen und die unangenehme Geschichte mit stoischem Lächeln und dem verletzten Blick eines waidwunden Rehs auszusitzen. Erst als die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität beantragte, hat er sich entschlossen, zurück zu treten. Spät, meiner Meinung nach zu spät. Ein Politiker, gegen den wegen Bestechlichkeit ermittelt wird an der Spitze des Staates? Das war endgültig zu viel.

Trotzdem stehen immer noch viele Bürger zu und hinter ihm. „Aber als Präsident war er doch gut“ sagte eine Kundin zu mir. Wieso „aber“? Konnte der sich aufspalten? In den Teil „bestechlicher Ministerpräsident“ der abgekoppelt vom aufrichtigen Bundespräsidenten war? Er konnte repräsentieren und die richtigen Worte im richtigen Moment sagen, viel mehr muss ein Bundespräsident nicht können, er hat ja keine Regierungsverantwortung. Glaubwürdig vertreten konnte er die schönen Worte allerdings nicht mehr. Ohnehin schon ohne wirkliche politische Verantwortung war er dann nur noch eine Puppe auf dem Präsidentenstuhl.

„Das war doch nur eine Pressekampagne gegen ihn, eine fiese Hetzkampagne!“ meint eine andere Kundin. Ja, die Presse ist durchaus Grund und Auslöser für seinen Rücktritt. Mit seinem Anruf bei Herrn Diekmann hat er sie gegen sich aufgebracht. Ohne jeden Zweifel sind da aber sehr seltsame Sachen passiert: Kredite, Urlaube, Bar-Rückzahlungen…. hätte das lieber weiter verborgen bleiben sollen? Wir müssen uns schon entscheiden, ob wir eine freie Presse wollen oder nicht. Ich möchte sie frei, auch dann, wenn sie gelegentlich unangenehm wird. Gelegentlich konnte einem Herr Wulff dabei schon leid tun. Persönlich kann ich seine Verletztheit, seinen Schmerz und seine Wut durchaus nachvollziehen. Das ändert aber nichts daran, was er getan hat, und davon hätten wir ohne die intensiven Recherchen der Presse vermutlich nie etwas erfahren.

„Mal ehrlich, wir würden doch auch einen Urlaub annehmen, wenn wir ihn geschenkt bekommen würden!“. Das war ebenfalls ein Argument. Die Kundin hat ohne jeden Zweifel recht: wenn mir jemand einen Urlaub schenken würde, würde ich ihn vermutlich annehmen. Der Unterschied liegt in der zu erwartenden Gegenleistung. Was könnte ein Urlaubs-Verschenker von mir erwarten? Kostenlose Fußpflege? Ohja, kein Problem, da wäre ich dabei! Das könnte natürlich wieder das Finanzamt auf den Plan rufen: geldwerte Leistungen, unversteuert und so. Deshalb gleich die schlechte Nachricht hinterher: Liebes Finanzamt, zu meinem großen Bedauern hat mir noch nie jemand einen Urlaub geschenkt. Auch nicht gegen Gratis-Fußpflege. Das ist doch die wahre Schweinerei: warum bekommt der einen Urlaub und ich nicht? Ach, genau, weil ich keine großen Wirtschaftsprojekte durchwinken kann.

Schlimm ist nicht, dass Herr Wulff in den Urlaub gefahren ist. Schlimm ist, dass man davon ausgehen kann, dass er dafür eine Gegenleistung erbringen sollte. Der Geber erwartet, dass er als Gegenleistung bei dem Politiker ein offenes Ohr für seine Wünsche findet. Das wiederum bedeutet, dass ein Politiker, der dem Wohl des Volkes verpflichtet ist, denn von diesem ist er gewählt, mehr auf das Wohl einzelner Personen und einzelner wirtschaftlicher Unternehmen schauen wird, möglicherweise auch zum Schaden des Volkes, das ihn gewählt hat. Er verpflichtet sich der Wirtschaft mehr, als der Gesellschaft.

Kaum hatte Herr Wulff die letzten Worte seiner Rücktrittsrede gesprochen und sich auf den Weg zurück nach Hause, nach Großburgwedel begeben, folgte die unvermeidliche Nachfolge-Diskussion. Jeder wollte und konnte einen tollen möglichen Präsidenten beitragen. Da waren durchaus skurrile Vorschläge dabei. Möchten wir wirklich einen Kabarettisten als Bundespräsidenten? Wenn nicht, warum sollten wir ihn vorschlagen? Auch gut: Marion Käßmann als Bundespräsidentin. Begründung: sie hat bereits bewiesen, dass sie weiß, wann man von einem Amt zurück treten muss. Oh, prima, das ist ja ein tolles Qualitätsmerkmal für das höchste Amt im Staat: der Amtsinhaber weiß, wann er seinen Stuhl zu räumen hat.

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Kommentare deaktiviert für Abfindung vs. Verkauf – was wäre wenn?

Eine Kündigung ist für die meisten Arbeitnehmer eine ziemliche Katastrophe. Man rechnet jeden Monat mit dem Geld, das rein kommt, man richtet sich damit ein, man vertraut darauf. Plötzlich ist der Job weg und man steht auf der Straße. Wenn man Glück hat, bekommt man eine Abfindung, die das Ausscheiden versüßen soll, danach steht der Gang zum Arbeitsamt an. Manchmal kann man diese Situation auch als Chance begreifen, besonders dann, wenn der Job sowieso nicht mehr so richtig geschmeckt hat. Man kann nochmal neu durchstarten und ein Startkapital dafür hat man auch. Das geht umso leichter, wenn man sich vorher mal Gedanken darüber gemacht hat, was für Alternativen zur derzeitigen Situation es gibt.

Als Selbständiger kann man zwar nicht gekündigt werden, aber ohne Job dastehen kann man auch. Im schlimmsten Fall aufgrund einer Insolvenz, im besten Fall hat man das eigene Unternehmen verkauft. Im letzten Fall hat man dann auch ein wenig Geld in der Hand, aus dem Verkauf. In jedem Fall steht auch da die Frage an, wie es weiter geht.

Ich spinne den Gedanken für mich gerne ein wenig durch. Ich weiß ja nicht, was passiert und wie es weiter geht, in jedem Fall ist es viel weniger beängstigend, wenn ich mir schon überlegt habe, wie das für mich aussehen könnte. Die Gefahr einer Insolvenz scheint für den Moment gebannt, bliebe also noch der Unternehmensverkauf. In jedem Fall müsste dann der Verkaufspreis so hoch sein, dass ich die Kredite, die sich aus dem Geschäft ergeben haben, damit auslösen kann, sonst ist es ein Minusgeschäft. Ich gehe also mal davon aus, dass ich dafür ausreichend Geld mit dem Verkauf erzielen könnte. Vorsichtshalber denke ich mal, dass nichts übrig bleibt, also dann kein Startkapital mehr vorhanden ist. Das ist natürlich zunächst einmal ungeschickt, hält aber von zu hochfliegenden Träumen ab. Besser laufen kann es natürlich immer gern! Letztlich muss man das ja auch realistisch sehen: der Verkauf eines so kleinen Unternehmens ist grundsätzlich schwierig und die Hoffnung, damit große Gewinne zu erzielen ist eher vergebens.

Das würde dann genau das bedeuten, was Arbeitslosigkeit für Arbeitnehmer auch bedeutet: entweder nahtlos in einen neuen Job einsteigen oder den Weg zur ARGE einschlagen – wobei die meisten Ex-Selbständigen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben und deshalb direkt Hartz4 beantragen müssen. Das ist kein toller Anfang, aber zumindest würde ich dann nicht direkt unter der Brücke landen. Bei einer Insolvenz würde ich übrigens ähnlich da stehen, nämlich mit gar nix.

Wie geht es dann weiter? Doch, einfallen würde mir da schon was. Ich würde weiterhin tun, was ich jetzt schon nebenher tue: ich würde texten. Das ließe sich auch noch ein Stück ausbauen. So, wie ich es im Moment betreibe, würde es zum Leben aber nicht ausreichen. Da müsste also noch mehr passieren. Andererseits bin ich da optimistisch: ich hätte ja mehr Zeit dafür, ich könnte also mehr texten, vielleicht nebenher noch in einem Minijob oder Teilzeitjob Geld verdienen. Doch, ich denke, ich würde durchkommen.

Die eigenen Möglichkeiten so durchzuspielen hilft gegen Zukunftsängste und zeigt Perspektiven auf, sollte man also immer mal machen, auch wenn gerade alles so aussieht, als könnte man es sich in der momentanen Situation gemütlich machen!

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Es ist der Alptraum der meisten Selbständigen: man wird krank und kann nicht arbeiten. Sinnvollerweise schafft man sich ein paar Rücklagen für diesen Fall, damit man nicht sofort Probleme bekommt, wenn die Grippe einmal zuschlägt.

Mich hat es auch erwischt: über Nacht bekam mich hohes Fieber und fand mich deshalb morgens, immer noch fiebernd, nicht arbeitsfähig. Zu allem Überfluss passiert so etwas natürlich nicht an einem Tag, an dem ohnehin nicht viel los wäre, sondern es erwischte einen Tag mit rappelvollem Terminkalender. Da heißt es trotz Fieber Prioritäten setzen: zunächst muss geklärt werden, was mit den Kunden ist. Das bedeutet also trotzdem früh aufstehen, ab ins Geschäft und erstmal die Kunden anrufen. Bei zwei Kunden, die ich selbst nicht erreicht habe, habe ich eine Freundin gebeten, die Kunden zu benachrichtigen. Diese Anrufe sind nicht besonders angenehm, auch die Kunden haben sich ja auf den Termin eingestellt und sind nicht glücklich, wenn er kurzfristig abgesagt wird. Das kann ich nachvollziehen, meine Begeisterung hält sich auch in Grenzen, wenn meine Kunden ihre Termine kurzfristig absagen.

Trotzdem, in den sechs Jahren, in denen ich das Geschäft habe, war es das zweite Mal, dass ich Termine krankheitsbedingt absagen musste, das hält sich also noch in Grenzen. Leider wusste ich auch nicht, wie lange mein arbeitsunfähiger Zustand anhalten würde, so dass ich allen Kunden nur versichern konnte, dass ich mich wieder melde.

Das war gar nicht dumm gedacht, nachdem mich der Arzt einmal auf Links gekrempelt und auf den Kopf gestellt hat, wurde ich nämlich ins Krankenhaus eingewiesen. Für einen Tierhalter bedeutet das die nächsten Probleme: wer kümmert sich um die Tiere, kurzfristig und für einen unbestimmten Zeitraum? Dank toller Freunde war auch das schnell gelöst und die Aufregung umsonst: ich konnte das Krankenhaus am gleichen Tag noch wegen nachgewiesener Gesundheit wieder verlassen. Woher das Fieber kam ist nach wie vor ungeklärt, aber davon abgesehen bin ich sowas von gesund…

Glücklicherweise dauerte mein Krankenstand so nur einen Tag. Trotzdem ist das ein Grund, mal wieder darüber nach zu denken und Vorkehrungen zu treffen für den Fall, dass doch mal eine Krankheit länger anhält. Da reicht ja schon eine Grippe, von einer gebrochenen Hand mal ganz zu schweigen. Eine Strategie für Krankheitsfälle muss her!

Klingeling!

Jan
2012
17

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Ich habe ganz normale, schon etwas ältere Geschäftsräume. Dazu gehört eine große Schaufensterfront (sehr zu meinem Leidwesen, ich bin nicht das große Deko-Talent) und eine Eingangstür. Normalerweise haben Geschäfte feste Öffnungszeiten, zu denen so eine Tür dann offen ist und passiert werden kann, außerhalb der Öffnungszeiten eben nicht. Das ist bei mir aber nicht so. Ich arbeite nur nach Terminvereinbarung, habe also keine festen Öffnungszeiten. Dazu kommt, dass es mir mitten in einer Behandlung schlecht möglich ist, mal eben Laufkundschaft zu bedienen. Deshalb ist die Tür bei mir meistens abgeschlossen. Ausnahme ist natürlich die eine Stunde pro Tag, zu der die Postfiliale in meinem Räumen geöffnet hat.

An der Glastür befinden sich mehrere Schilder. Eines natürlich mit den Öffnungszeiten der Post. Ein weiteres mit dem Hinweis: Fußpflege und Kosmetik – Termine nach Vereinbarung – bitte klingeln. Daneben befindet sich, wer hätte das gedacht, eine Türklingel.

Diese Klingel wird recht häufig missbraucht wird, da Kunden der Post, die zur falschen Zeit vor der Tür stehen, leider nur die letzten zwei Worte lesen „bitte klingeln“. Davon abgesehen ist diese Klingel sehr sinnvoll und wichtig, denn wenn nicht geklingelt wird, höre ich nicht, wenn ein Kunde zu mir will. Dabei ist an dieser Stelle eigentlich keine Klingel vorgesehen. Das ist nur ein kleines Manko, wozu gibt es schließlich Funkklingeln?

Ärgerlich ist nur, wenn eine Kundin vor der Tür steht und nicht klingeln kann. Weil die Klingel unsanft von der Halterung, mit der sie an die Wand befestigt war, abgebrochen wurde und sich jetzt im Geschäft hinter der geschlossenen Tür auf einem Tisch befindet. In dieser Situation wäre es ein großer Vorteil, wenn ich wüsste, dass sich die Klingel nicht einsatzbereit an ihrem Stammplatz befindet – dann könnte ich nämlich darauf achten, ob vielleicht ein Kunde ratlos vor der Tür steht.

Passiert ist das am Freitag. Leider wusste ich von nichts, weshalb die Kundin eine Weile brauchte, um auf sich aufmerksam zu machen. Irgendwie muss die Klingel aber hinter die geschlossene Tür geraten sein. Dafür braucht man einen Schlüssel, und den hat nur ein sehr begrenzter Personenkreis. Dazu kann ich den Zeitraum auf etwa eine Stunde einschränken, indem das Malheur passiert sein muss. Bleibt nur die Frage: warum hat die Person, der dieses Missgeschick passiert ist, nicht einfach einen Ton gesagt? Eine Funkklingel kostet 20 Euro, das ist kein Vermögen und ich bin nicht dafür bekannt, dass ich Unglücksraben lebendig frühstücke – verstehen kann ich es also nicht.

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