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„Ach, ich kann doch nix mehr machen“ sagte die alte Dame zu mir, bei der ich gestern einen Hausbesuch machte. Da hatte sie soweit auch völlig Recht, sie hing recht verloren in mehrere Decken gewickelt in ihrem Sessel, dünn und schwach. Wenn ich so etwas häufiger vor Augen habe, bleibt es nicht aus, dass ich mir auch Gedanken über mein eigenes Alter mache. Die Dame wurde zu Hause von Ihren Kindern gepflegt. Ich habe keine Kinder und bin inzwischen fast 40 Jahre alt, ich gehe mal davon aus, dass sich das auch nicht mehr ändern wird. Das ist auch völlig in Ordnung so, bedeutet aber auch, dass mich meine Kinder sicher nicht im Alter pflegen werden.

Ich werde also vermutlich eine Weile zu Hause sein, hoffentlich nicht ganz alleine, schön wäre es ja doch, wenn man gemeinsam alt wird. Aber wer weiß schon, was kommt? Zunächst also zu Hause, und wenn ich „nix mehr kann“, dann führt mich der Weg fast unvermeidlich in ein Heim. Ich hoffe, ich sorge frühzeitig dafür, dass ich dann in das Heim komme, dass ich mir schon vorher ausgesucht habe.

Ich sehe ganz häufig, dass die Senioren furchtbar unzufrieden sind. Sie haben keine Pflichten und keine Aufgaben mehr, sie sind Rentner und wenn es mit der Haus- und Gartenarbeit und dem Essen kochen nicht mehr klappt, dann werden sie eben versorgt und haben nichts mehr zu tun. Sie würden dann gerne unterhalten werden, aber die Familienangehörigen haben viel zu tun, sie müssen arbeiten, den Haushalt versorgen, und den Haushalt und die Versorgung der alten Angehörigen gleich mit übernehmen. Dazu kommen noch Kinder und ein wenig Freizeit, da bleibt nicht mehr so viel Zeit, um einen gelangweilten Menschen mit sehr viel Zeit zu dessen Zufriedenheit zu bespaßen.

Bleibt der Fernseher zur Unterhaltung. Wer zu Hause ist und keine Angehörigen hat, für den ist der Fernseher häufig der einzige Kontakt zur Außenwelt, die einzige Ansprache – eine höchst einseitige Ansprache noch dazu.

Nun sind wir ja die Generation Internet. Wir verbringen jeden Tag viel Zeit vor dem Rechner und in den unendlichen Weiten des Datenstroms. Für mich hoffe ich ja, dass ich irgendwann zu Hause oder im Pflegeheim in meinem Sessel oder Bett sitzen werde, ein iPad oder was auch immer bis dahin der Stand der Forschung ist, jedenfalls etwas mit großem Bildschirm und hervorragender Sprach Ein- und Ausgabe auf dem Schoß. Dann hoffe ich flink und unbehindert durch das Netz zu surfen, zu meckern, wo ich unzufrieden bin, meinen Altersstarrsinn voll auszuleben und nach wie vor viele Kontakte zu haben. Selbst wenn ich den Menschen, mit denen ich dann spreche, vielleicht nie im Leben begegnen werde, ist die Vorstellung mit vielen Menschen zu kommunizieren nicht viel besser, als wenn nur der Fernseher als Kommunikationspartner bleibt?

Wer weiß, wie das Leben bis dahin aussieht. Aber wenn es irgendwie geht, werde ich meinen Computer mit Zähnen und Klauen verteidigen, wenn sie mich irgendwann ins Heim bringen. Auf ein vernetztes Alter!

Tags: Altersstarrsinn, Computer

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