{"id":807,"date":"2013-08-26T21:36:48","date_gmt":"2013-08-26T19:36:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alltagsdschungel.de\/?p=807"},"modified":"2018-05-17T21:53:54","modified_gmt":"2018-05-17T19:53:54","slug":"was-folgt-auf-ueberwachung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alltagsdschungel.de\/?p=807","title":{"rendered":"Was folgt auf \u00dcberwachung?"},"content":{"rendered":"<p>Niemand m\u00f6chte gerne \u00fcberwacht werden. Am Schlafzimmer haben wir Gardinen, wenn wir eine SMS schreiben, gucken wir, dass uns keiner \u00fcber die Schulter guckt und Briefe kleben wir zu. V\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob wir &#8222;etwas zu verbergen haben&#8220;, legen wir Wert darauf, dass nicht jeder mitkriegt, was wir einem anderen Menschen mitteilen.<\/p>\n<h2>Eltern, Arbeitgeber, Staat<\/h2>\n<p>\u00dcberwachung findet trotzdem an ganz vielen Stellen statt. Eltern machen sich Sorgen um ihre pubertierenden Kinder und lesen das Tagebuch oder die E-Mails, der Arbeitgeber \u00fcberwacht die Arbeitspl\u00e4tze mit Kameras und zeichnet Telefonate der Angestellten auf und der Staat&#8230; nun, wie wir jetzt wissen macht unser Staat das alles auf einmal, und noch viel mehr. Er liest unsere E-Mails und belauscht unsere Telefonate, er speichert unsere Suchabfragen im Internet und kontrolliert mit Kameras unsere Schritte auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen. Manches davon offen, wie die Kameras, vieles, wie wir jetzt wissen, versteckt und verborgen. Die Begr\u00fcndungen sind \u00fcbrigens immer gleich:<\/p>\n<p>&#8222;Wir wollen nur Euer Bestes&#8220;, &#8222;wir wollen Euch sch\u00fctzen&#8220; und, letztendlich &#8222;Ihr lasst uns doch keine andere Wahl!&#8220;. Die Eltern wollen verhindern, dass den Kindern B\u00f6ses passiert und glauben sie so zu sch\u00fctzen. Der Arbeitgeber m\u00f6chte sich vor \u00dcbervorteilung sch\u00fctzen und letztendlich auch die Arbeitspl\u00e4tze seiner Angestellten damit, der Staat m\u00f6chte die B\u00fcrger vor Terror sch\u00fctzen.<\/p>\n<h2>Folgen f\u00fcr den \u00dcberwachten<\/h2>\n<p>F\u00fcr die \u00dcberwachten sind die Folgen in allen F\u00e4llen ziemlich gleich: Wer erf\u00e4hrt, dass er \u00fcberwacht wurde oder wird, ist entt\u00e4uscht. Es ist ein Vertrauensbruch, der kaum zu kitten ist. Wurde das Tagebuch gelesen oder Telefonate mitgeh\u00f6rt, ist das etwas, das kaum zu verzeihen ist. Das Verh\u00e4ltnis zu den Eltern ist nachhaltig gest\u00f6rt, Beziehungen scheitern daran und auch dem Arbeitgeber kann man so ein Verhalten nicht verzeihen. Wo sich das Verh\u00e4ltnis nicht aufl\u00f6sen l\u00e4sst, wird der \u00dcberwachte alles daran setzen, der \u00dcberwachung zu entgehen. Werde ich \u00fcberwacht, \u00e4ndere ich mein Verhalten. Ich suche nach Wegen, um ohne \u00dcberwachung kommunizieren zu k\u00f6nnen oder behalte Ideen, die sich verbreiten sollten, f\u00fcr mich. Wer wirklich B\u00f6ses im Schilde f\u00fchrt, wird \u00fcbrigens immer einen Weg finden, ohne \u00dcberwachung zu kommunizieren. Alle anderen werden verunsichert und f\u00fchlen sich hintergangen und betrogen durch die \u00dcberwachung. Das gilt auf allen Ebenen. Dem Staat r\u00e4umen wir hier eine kleine Sonderstellung ein, da die \u00dcberwachung eher abstrakt ist. &#8222;Ich hab ja nichts zu verbergen, mich betrifft es nicht&#8220; ist etwas, was wir uns zumindest lange einreden konnten, zum Teil auch noch einreden k\u00f6nnen. Es stimmt nur nicht (mehr). Wir wissen ja nicht, wie Daten und Kommunikationen, die uns heute harmlos erscheinen, morgen vielleicht gegen uns verwendet werden. Staatliche \u00dcberwachung trifft uns deshalb genauso pers\u00f6nlich, wie jede andere \u00dcberwachung auf, wir merken nur die Folgen im Moment noch nicht so direkt. Noch nicht.<\/p>\n<p>Wir vertrauen auf Vertraulichkeit, darauf, dass das, was wir sagen oder schreiben nur die erreicht, an die wir es adressieren. Wird dieses Vertrauen gebrochen, bleibt Entt\u00e4uschung und eine dauerhaft zerst\u00f6rte Basis.<\/p>\n<h2>Folgen f\u00fcr den \u00dcberwacher<\/h2>\n<p>\u00dcberwachen muss jedoch nur, wer sich nicht sicher ist, wer kein Vertrauen hat. Eltern, die nicht daran glauben, dass sie Wichtiges erfahren werden. Arbeitgeber, die ihre Angestellten nicht als Verb\u00fcndete sehen, sondern bef\u00fcrchten hintergangen zu werden. Politiker, die sich von den B\u00fcrgern bedroht f\u00fchlen. \u00dcberwachung ist ein Symptom, ein zerst\u00f6rerisches Symptom. Sie verhindert ein vertrauensvolles Miteinander, sie zeugt auch von der eigenen Unsicherheit. Was sie in jedem Fall nicht bringt, ist Sicherheit. Auch nicht f\u00fcr die, die \u00fcberwachen, denn die Unsicherheit bleibt: vielleicht wurde ein anderer Weg gefunden. Wo \u00dcberwachung anf\u00e4ngt, muss sie zwangsl\u00e4ufig weiter gehen, sich in einer Spirale steigern, denn je mehr der \u00dcberwachende wei\u00df, desto gr\u00f6\u00dfer wird sein Bed\u00fcrfnis, mehr zu wissen. Dazu tr\u00e4gt ein Spruch bei, der nichts von seiner Bedeutung verloren hat &#8222;Der Lauscher an der Wand h\u00f6rt seine eigene Schand&#8220; &#8211; und wird immer misstrauischer.<\/p>\n<h2>Aber Transparenz?<\/h2>\n<p>\u00dcberwachung hat nichts mit Transparenz zu tun. Politische Vorg\u00e4nge m\u00fcssen transparent sein, aber das bedeutet, dass diese Transparenz f\u00fcr alle Beteiligten von Anfang an klar ersichtlich sein muss. Ich unterscheide f\u00fcr mich zwischen \u00f6ffentlicher, transparenter Kommunikation und privater, nicht \u00f6ffentlicher. Ich kommuniziere anders, bewusster und vorsichtiger, wenn Kommunikation \u00f6ffentlich stattfindet. Wenn private, nicht \u00f6ffentliche Kommunikation nur noch unter vier Augen stattfinden kann, dann ist es zu sp\u00e4t. Deshalb k\u00f6nnen wir nur jetzt dagegen angehen, es ist aller-allerh\u00f6chste Zeit, uns aus der Umklammerung umfassender \u00dcberwachung zu l\u00f6sen &#8211; egal auf welcher Ebene sie stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand m\u00f6chte gerne \u00fcberwacht werden. Am Schlafzimmer haben wir Gardinen, wenn wir eine SMS schreiben, gucken wir, dass uns keiner \u00fcber die Schulter guckt und Briefe kleben wir zu. 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