{"id":281,"date":"2011-11-25T22:59:39","date_gmt":"2011-11-25T21:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alltagsdschungel.de\/wordpress\/?p=281"},"modified":"2011-12-03T23:40:11","modified_gmt":"2011-12-03T22:40:11","slug":"mit-dem-ipad-ins-altersheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alltagsdschungel.de\/?p=281","title":{"rendered":"Mit dem iPad ins Altersheim"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAch, ich kann doch nix mehr machen\u201c sagte die alte Dame zu mir, bei der ich gestern einen Hausbesuch machte. Da hatte sie soweit auch v\u00f6llig Recht, sie hing recht verloren in mehrere Decken gewickelt in ihrem Sessel, d\u00fcnn und schwach. Wenn ich so etwas h\u00e4ufiger vor Augen habe, bleibt es nicht aus, dass ich mir auch Gedanken \u00fcber mein eigenes Alter mache. Die Dame wurde zu Hause von Ihren Kindern gepflegt. Ich habe keine Kinder und bin inzwischen fast 40 Jahre alt, ich gehe mal davon aus, dass sich das auch nicht mehr \u00e4ndern wird. Das ist auch v\u00f6llig in Ordnung so, bedeutet aber auch, dass mich meine Kinder sicher nicht im Alter pflegen werden.<\/p>\n<p>Ich werde also vermutlich eine Weile zu Hause sein, hoffentlich nicht ganz alleine, sch\u00f6n w\u00e4re es ja doch, wenn man gemeinsam alt wird. Aber wer wei\u00df schon, was kommt? Zun\u00e4chst also zu Hause, und wenn ich \u201enix mehr kann\u201c, dann f\u00fchrt mich der Weg fast unvermeidlich in ein Heim. Ich hoffe, ich sorge fr\u00fchzeitig daf\u00fcr, dass ich dann in das Heim komme, dass ich mir schon vorher ausgesucht habe.<\/p>\n<p>Ich sehe ganz h\u00e4ufig, dass die Senioren furchtbar unzufrieden sind. Sie haben keine Pflichten und keine Aufgaben mehr, sie sind Rentner und wenn es mit der Haus- und Gartenarbeit und dem Essen kochen nicht mehr klappt, dann werden sie eben versorgt und haben nichts mehr zu tun. Sie w\u00fcrden dann gerne unterhalten werden, aber die Familienangeh\u00f6rigen haben viel zu tun, sie m\u00fcssen arbeiten, den Haushalt versorgen, und den Haushalt und die Versorgung der alten Angeh\u00f6rigen gleich mit \u00fcbernehmen. Dazu kommen noch Kinder und ein wenig Freizeit, da bleibt nicht mehr so viel Zeit, um einen gelangweilten Menschen mit sehr viel Zeit zu dessen Zufriedenheit zu bespa\u00dfen.<\/p>\n<p>Bleibt der Fernseher zur Unterhaltung. Wer zu Hause ist und keine Angeh\u00f6rigen hat, f\u00fcr den ist der Fernseher h\u00e4ufig der einzige Kontakt zur Au\u00dfenwelt, die einzige Ansprache \u2013 eine h\u00f6chst einseitige Ansprache noch dazu.<\/p>\n<p>Nun sind wir ja die Generation Internet. Wir verbringen jeden Tag viel Zeit vor dem Rechner und in den unendlichen Weiten des Datenstroms. F\u00fcr mich hoffe ich ja, dass ich irgendwann zu Hause oder im Pflegeheim in meinem Sessel oder Bett sitzen werde, ein iPad oder was auch immer bis dahin der Stand der Forschung ist, jedenfalls etwas mit gro\u00dfem Bildschirm und hervorragender Sprach Ein- und Ausgabe auf dem Scho\u00df. Dann hoffe ich flink und unbehindert durch das Netz zu surfen, zu meckern, wo ich unzufrieden bin, meinen Altersstarrsinn voll auszuleben und nach wie vor viele Kontakte zu haben. Selbst wenn ich den Menschen, mit denen ich dann spreche, vielleicht nie im Leben begegnen werde, ist die Vorstellung mit vielen Menschen zu kommunizieren nicht viel besser, als wenn nur der Fernseher als Kommunikationspartner bleibt?<\/p>\n<p>Wer wei\u00df, wie das Leben bis dahin aussieht. Aber wenn es irgendwie geht, werde ich meinen Computer mit Z\u00e4hnen und Klauen verteidigen, wenn sie mich irgendwann ins Heim bringen. Auf ein vernetztes Alter!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAch, ich kann doch nix mehr machen\u201c sagte die alte Dame zu mir, bei der ich gestern einen Hausbesuch machte. Da hatte sie soweit auch v\u00f6llig Recht, sie hing recht verloren in mehrere Decken gewickelt in ihrem Sessel, d\u00fcnn und schwach. 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