{"id":185,"date":"2011-10-31T22:58:27","date_gmt":"2011-10-31T21:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heilpraktiker-werden-blog.de\/wordpress\/?p=185"},"modified":"2011-10-31T22:58:27","modified_gmt":"2011-10-31T21:58:27","slug":"arm-durch-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alltagsdschungel.de\/?p=185","title":{"rendered":"Arm durch Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>V\u00f6llig \u00fcberraschend diskutiert die Bundesregierung einen Mindestlohn. Also einen Betrag, den ein Arbeitnehmer mindestens pro Stunde f\u00fcr seine Arbeit bekommen muss. Dabei werden Betr\u00e4ge ab 6,50 Euro pro Stunde diskutiert.<\/p>\n<p>Bereits jetzt gibt es Mindestl\u00f6hne f\u00fcr einige Branchen. F\u00fcr den Wach- und Sicherheitsdienst liegt der Mindestlohn bei 6,53 Euro in Ostdeutschland, in Westdeutschland bekommt er immerhin 8,60 Euro. Mehr als ein Westdeuscher Angestellter bei W\u00e4schereidienstleistungen, der bekommt im Westen minimal 7,80 Euro, im Osten aber mehr, als der Wachmann: 6,75 Euro. What the&#8230;..???? Ich dachte immer, die Differenzen zwischen Osten und Westen l\u00e4gen in insgesamt niedrigerem Lohn- und Preisniveau begr\u00fcndet. Aber wird im Osten dreckigere W\u00e4sche gewaschen oder ist es da sicherer, dass das Verh\u00e4ltnis zwischen W\u00e4schereidienstleistungen und Sicherheitspersonal sich pl\u00f6tzlich umdreht?<\/p>\n<p>Noch dazu bleibt die Frage: was ist denn genau alles billiger im Osten? Mieten? Ok, vielleicht. Strom, Gas, Wasser, Telefon? Na, eher nicht! Lebensmittel? H\u00f6chstens die regionalen, lokalen, auf dem Bauernhof. Ich pers\u00f6nlich glaube ja nicht, dass die Lebensmittel im Supermarkt einer Kette im Osten weniger kosten, als im Westen. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.<\/p>\n<p>Wie auch immer, 6,50 Euro mindestens also. Oder stapeln wir nicht ganz so tief, nehmen wir das Pflegepersonal. Das sind die, die uns etwas zu Essen bringen und den Hintern abwischen, wenn wir es nicht mehr k\u00f6nnen. Die, von denen wir uns erhoffen, dass sie nett zu uns sind, auf unsere Bed\u00fcrfnisse eingehen, sich Zeit f\u00fcr uns nehmen, auch \u00fcber die pure Pflichterf\u00fcllung hinaus. Mindestlohn: 7,50 Euro pro Stunde. Das macht bei 40 Stunden pro Woche, 4 Wochen pro Monat etwa 1200 Euro brutto. Oder so ungef\u00e4hr 900 Euro netto. 900 Euro. Im Monat! Davon gehen dann Miete, Strom, Heizung, Telefon, Lebensmittel und Kleidung ab. 900 Euro, das ist weniger, als man im Monat behalten darf, wenn man Insolvenz anmeldet, das sind n\u00e4mlich ziemlich genau 1000 Euro. 900 Euro sind auch unterhalb des Pf\u00e4ndungsfreibetrags bei Lohnpf\u00e4ndungen, der liegt knapp \u00fcber 1000 Euro. Es ist also unter dem Betrag, wo man einem noch was wegnehmen darf. Daf\u00fcr m\u00f6chten wir liebevoll und aufmerksam gepflegt werden? Ich habe ja Zweifel, dass das klappen wird&#8230;<\/p>\n<p>Aber was kann man tun, gegen solche Dumping-Preise beim Lohn? Die Wahl ist ja h\u00e4ufig: entweder arbeiten, und so gut wie nix dabei verdienen. Oder nicht arbeiten und Hartz4 bekommen. Hartz4 ben\u00f6tigt man m\u00f6glicherweise auch, wenn man ganztags zum Mindestlohn arbeitet, sp\u00e4testens dann n\u00e4mlich, wenn noch eine weitere Person, ein Kind etwa, mit davon leben muss. Wo bleibt da die W\u00fcrde des Arbeitnehmers?<\/p>\n<p>Das perfidestes daran ist aber, dass es so schwierig ist, offen dagegen zu protestieren, wenn man erstmal in der Situation ist, dass man solche Jobs angeboten bekommt. Wer auf Hartz4 angewiesen ist, kann nicht mal eben sagen &#8222;f\u00fcr die paar Kr\u00f6ten arbeite ich nicht, das ist menschenunw\u00fcrdig!&#8220; Also, sagen kann er es nat\u00fcrlich, die Frage ist nur, wie h\u00e4ufig er es tut, denn wer einen angebotenen Job ablehnt, riskiert seine Hartz4-Bez\u00fcge. Wer eine solche Arbeit annimmt, leistet daf\u00fcr dem Lohndumping Vorschub. Da wird die Wahl schwer, seien wir ehrlich, entweder nimmt man dann z\u00e4hneknirschend den Job an, oder man windet sich\u00a0 mit einem Trick raus. M\u00f6glichkeiten, einen Job nicht zu bekommen, gibt es genug. Mehrfaches Nachfragen, wie das mit dem Personalrat geregelt ist, und das \u00dcberstunden doch wohl nicht anfallen, hilft beim Vorstellungsgespr\u00e4ch h\u00e4ufig, wenn man den Job nicht will. Aber kann es das wirklich sein? Kann es wahr sein, dass die B\u00fcrger in einer Demokratie sich nicht offen dagegen wehren k\u00f6nnen, ausgebeutet zu werden, weil ihnen dann die Lebensgrundlage entzogen wird? Breche ich ein Gesetz, wenn ich einen Job ablehne, weil das Gehalt zu niedrig ist? Wohl nicht. Bestraft werden kann ich aber trotzdem. Spannend ist die Frage, was passieren w\u00fcrde, wenn ich meinem potentiellen Arbeitgeber sage, dass ich selbstverst\u00e4ndlich den Job antreten werde, aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit sagen werde, dass ich\u00a0 mich ausgebeutet f\u00fchle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00f6llig \u00fcberraschend diskutiert die Bundesregierung einen Mindestlohn. Also einen Betrag, den ein Arbeitnehmer mindestens pro Stunde f\u00fcr seine Arbeit bekommen muss. Dabei werden Betr\u00e4ge ab 6,50 Euro pro Stunde diskutiert. Bereits jetzt gibt es Mindestl\u00f6hne f\u00fcr einige Branchen. 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