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Seit fast genau sechs Jahren habe ich mein Geschäft unter der gleichen Adresse. In dieser Zeit habe ich säckeweise Briefe und so viele Pakete bekommen, dass sie die immerhin 80 Quadratmeter komplett ausfüllen würden. Mit praktisch allen Paketdiensten und den häufigsten hier vertretenen Briefdiensten habe ich in dieser Zeit Bekanntschaft gemacht. Einige Paketdienstfahrer rufen inzwischen auf meinem Handy an, wenn sie ein Paket für mich haben, um vorher abzuklären, ob ich zur passenden Zeit im Geschäft bin, oder sie mir das Paket vielleicht zu Hause vorbei bringen können. Ich denke, das spricht für sich, zumindest für ganz gute Kontakte?

Die besten, sozusagen innigsten Kontakte habe ich dabei zur Post und zum DHL. Hier bei uns werden Briefe und Pakete noch vom selben Zusteller gebracht. Die Zusteller, die hier regulär in der Umgebung Dienst haben, kenne ich dabei alle. Das hat einen ganz einfachen Grund: die nächstgelegene Post-Filiale ist….. in meinem Geschäft. Früher hab ich diese als Post-Service-Filiale selbst betrieben, heute haben ich den Raum an die Post untervermietet. Trotzdem: die Zusteller verkehren alle täglich in meinen Räumen, zwangsläufig, weil sie benachrichtigte Sendungen bringen und hier angenommene Sendungen abholen müssen. Ich denke ich kann also mit Recht behaupten, dass die Zusteller und ich uns einigermaßen nahe stehen.

Vor wenigen Tagen passierte dann das Kuriose: der Anruf eines Lieferanten, seine Lieferung wäre zurück gekommen, was denn los wäre, ob ich umgezogen wäre und hätte ihm das nicht mitgeteilt? Natürlich nicht, die Adresse auf dem Paket stimmte auch, er hat mir telefonisch durchgegeben, was drauf steht: das ist exakt meine Adresse. Trotzdem kam das Paket mit dem Aufkleber „Empfänger konnte an der angegebenen Adresse nicht ermittelt werden“ zurück. DHL, übrigens. Das ist durchaus spannend, mal abgesehen von den persönlichen Kontakten zu den Zustellern und den täglichen Dienstbesuchen durch dieselben steht meine Name in großen Buchstaben auf der etwa 8 Meter breiten Schaufensterfront. Eigentlich schwer zu übersehen, würde ich meinen….

Ich habe das als Kuriosum abgehakt, man muss ja nicht alles verstehen. Leider kommt der nächste Haken gleich hinterher. Da wollte ich meinem Liebsten einen Adventskalender schenken und habe ihn bei Björn im Onlineshop bestellt. Feine Sache, wurde auch rechtzeitig versandt – an die Geschäftsadresse, da bin ich nämlich tagsüber, im Gegensatz zu meiner Wohnanschrift. Bis jetzt ist er allerdings nicht bei mir aufgetaucht. Der Adventskalender meine ich. Auch keine Benachrichtigung irgend eines Paketdienstes. Wetten, der ging zurück, weil ich unter der Adresse nicht zu ermitteln war?

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Macht Ihr das auch immer so? Der Mantel muss mal wieder in die Reinigung und bei einem kurzen Smalltalk fragt Ihr die freundliche Reinigungskraft, die Euch den Mantel abgibt „Sagen Sie mal, verdienen Sie denn hier auch genug? Wieviel ist denn das so, reicht Ihnen das? Und wie viel müssen Sie dafür so arbeiten? Naja, Sie haben es ja gut, dass ist ja ein ziemlich stressfreier Job…“ Ich gebe es zu: ich mache so etwas nicht. Die meisten Leute reagieren hierzulande ja doch sehr zurückhaltend auf die Frage, wie viel sie denn so verdienen. Das hindert meine Kunden aber nicht daran, mir regelmäßig genau diese Fragen zu stellen. „Läuft es denn?“ oder „Wie läuft denn das Geschäft?“ sind dabei noch recht harmlos und allgemein, das kann man ja pauschal mit „Ich bin zufrieden“ oder, wenn ich meinen ehrlichen Tag habe, mit „naja, mehr könnte es ja immer sein, oder?“ beantworten. Gerade Stammkunden sind aber schon häufig der Meinung, ihnen würde da genauere Auskunft zustehen und manchmal werden die Fragen da schon recht direkt. Da geht es um Verdienstspannen und Steuern bis hin zu konkreten Fragen nach Ausgaben und Nettoeinkommen. Ich weiß ja nicht, wie andere solche Situationen handhaben oder ob die da nicht vorkommen? Ich versuche immer auszuweichen, erkläre, ich bin zufrieden, Schwankungen gibt es ja immer. Ich erkläre aber auch, dass gerade Fußpflege kein Geschäft zum reich werden ist. Vielen Kunden ist auch nicht klar, dass das, was ich einnehme keineswegs mein Einkommen ist. Die Kunden stellen fest, dass ich für eine halbe Stunde Arbeit 20 Euro kassiere, rechnen das auf die Stunde hoch und stellen damit fest, dass Selbständige einfach immer unverschämt viel Geld verdienen. Je nach Motivationslage ignoriere ich das oder ich versuche zumindest im Groben darzulegen, warum die Rechnung nicht stimmt: Zum einen behandele ich zwar nur ½ Stunde, aber der Kunde kommt ja auch, braucht Zeit, bis er wieder in seinen Schuhen und seiner Jacke steckt, muss am Ende für meine Leistung bezahlen und dafür erstmal nach seinem Geldbeutel suchen und möchte einen neuen Termin vereinbaren.Der Arbeitsplatz muss auch wieder aufgeräumt und desinfiziert, Geräte und Instrumente entsprechend hergerichtet und aufbereitet werden. Deshalb kalkuliere ich pro Termin wenigstens eine ¾ Stunde. Dafür bekomme ich dann die erwähnten 20 Euro, von denen ich zunächst mal die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen muss. Danach bleiben schon nur noch 16,80 Euro übrig. Davon zahle ich dann die Miete für das Geschäft, Strom, Telefon, Versicherungen, neue Instrumente, Verbrauchsartikel wie Handschuhe, Desinfektionsmittel und noch viel mehr. Werbung, nicht zu vergessen, damit auch neue Kunden kommen. Am Ende kommen Arbeitszeiten von weit jenseits der 40 Stunden pro Woche bei einem realen Stundenlohn unterhalb des Mindestlohns zusammen. Die Zeiten, in denen ich das Geschäft putze, meine Buchführung mache oder neue Werbung entwerfe, sind auch Arbeitszeiten, auch wenn mich dabei kein Kunde sieht. Aber klar, Selbständige sind ja alle reiche Säcke, die im Geld schwimmen und gar nicht wissen, was sie mit ihrer ganzen freien Zeit so anstellen sollen…

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„Ach, ich kann doch nix mehr machen“ sagte die alte Dame zu mir, bei der ich gestern einen Hausbesuch machte. Da hatte sie soweit auch völlig Recht, sie hing recht verloren in mehrere Decken gewickelt in ihrem Sessel, dünn und schwach. Wenn ich so etwas häufiger vor Augen habe, bleibt es nicht aus, dass ich mir auch Gedanken über mein eigenes Alter mache. Die Dame wurde zu Hause von Ihren Kindern gepflegt. Ich habe keine Kinder und bin inzwischen fast 40 Jahre alt, ich gehe mal davon aus, dass sich das auch nicht mehr ändern wird. Das ist auch völlig in Ordnung so, bedeutet aber auch, dass mich meine Kinder sicher nicht im Alter pflegen werden.

Ich werde also vermutlich eine Weile zu Hause sein, hoffentlich nicht ganz alleine, schön wäre es ja doch, wenn man gemeinsam alt wird. Aber wer weiß schon, was kommt? Zunächst also zu Hause, und wenn ich „nix mehr kann“, dann führt mich der Weg fast unvermeidlich in ein Heim. Ich hoffe, ich sorge frühzeitig dafür, dass ich dann in das Heim komme, dass ich mir schon vorher ausgesucht habe.

Ich sehe ganz häufig, dass die Senioren furchtbar unzufrieden sind. Sie haben keine Pflichten und keine Aufgaben mehr, sie sind Rentner und wenn es mit der Haus- und Gartenarbeit und dem Essen kochen nicht mehr klappt, dann werden sie eben versorgt und haben nichts mehr zu tun. Sie würden dann gerne unterhalten werden, aber die Familienangehörigen haben viel zu tun, sie müssen arbeiten, den Haushalt versorgen, und den Haushalt und die Versorgung der alten Angehörigen gleich mit übernehmen. Dazu kommen noch Kinder und ein wenig Freizeit, da bleibt nicht mehr so viel Zeit, um einen gelangweilten Menschen mit sehr viel Zeit zu dessen Zufriedenheit zu bespaßen.

Bleibt der Fernseher zur Unterhaltung. Wer zu Hause ist und keine Angehörigen hat, für den ist der Fernseher häufig der einzige Kontakt zur Außenwelt, die einzige Ansprache – eine höchst einseitige Ansprache noch dazu.

Nun sind wir ja die Generation Internet. Wir verbringen jeden Tag viel Zeit vor dem Rechner und in den unendlichen Weiten des Datenstroms. Für mich hoffe ich ja, dass ich irgendwann zu Hause oder im Pflegeheim in meinem Sessel oder Bett sitzen werde, ein iPad oder was auch immer bis dahin der Stand der Forschung ist, jedenfalls etwas mit großem Bildschirm und hervorragender Sprach Ein- und Ausgabe auf dem Schoß. Dann hoffe ich flink und unbehindert durch das Netz zu surfen, zu meckern, wo ich unzufrieden bin, meinen Altersstarrsinn voll auszuleben und nach wie vor viele Kontakte zu haben. Selbst wenn ich den Menschen, mit denen ich dann spreche, vielleicht nie im Leben begegnen werde, ist die Vorstellung mit vielen Menschen zu kommunizieren nicht viel besser, als wenn nur der Fernseher als Kommunikationspartner bleibt?

Wer weiß, wie das Leben bis dahin aussieht. Aber wenn es irgendwie geht, werde ich meinen Computer mit Zähnen und Klauen verteidigen, wenn sie mich irgendwann ins Heim bringen. Auf ein vernetztes Alter!

Hausbesuchswoche

Nov
2011
24

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Im Moment habe ich gerade eine „Hausbesuchswoche“. Natürlich mache ich nicht nur Hausbesuche, aber sieben Hausbesuche in einer Woche sind schon viel, allein am Mittwoch waren es vier Stück. Dabei sind Hausbesuche nicht gerade meine Lieblingstermine, aus mehreren Gründen.

Zum einen sind Hausbesuche körperlich anstrengend. In meinen Räumen sitzen die Kunden auf einem Stuhl, den ich hochfahren kann wie einen Zahnarztstuhl und so einstellen, dass ich die Füße der Kunden in angenehmer Arbeitshöhe vor mir habe. Beim Hausbesuch lümmeln die Kunden in ihrem Lieblingssessel, sitzen steif auf dem Küchenstuhl oder liegen im schlimmsten Fall im Bett. Ich sitze auf einem Stuhl oder Hocker davor und bette die Füße der Kunden auf eine Fußstütze. Schlimmstenfalls sitzen die Kunden dabei niedriger als ich oder sie liegen eben in ihrem Bett, möglicherweise noch ein recht niedriges normales Bett, zwischen Wand und Schrank eingekeilt. So oder so, ich muss mich in den allermeisten Fällen stark bücken und häufig verrenken, um die Füße der Kunden richtig zu erreichen. Das ist nicht toll, aber wer nicht mehr kommen kann, ist eben auf einen Hausbesuch angewiesen und da versuche ich das Beste draus zu machen.

Der nächste Punkt ist, dass ich für Hausbesuche deutlich mehr Zeit einplanen muss, als für Termine bei mir. Anfahrt, Abfahrt, Ausrüstung auf- und wieder abbauen, häufig sind die Kunden dann noch nicht fertig, haben vergessen, dass ich komme, müssen erst noch ihr Wohnzimmer umräumen, das Geschirr wegbringen und schnell nochmal zur Toilette. Da geht Zeit drauf.

Dann kommt dazu, dass die Wohnungen häufig nicht allzu angenehm sind. Die Kunden können nicht mehr kommen wegen körperlicher oder auch geistiger Einschränkungen, das macht sich häufig auch in der persönlichen Hygiene und in der Sauberkeit in der Wohnung bemerkbar. In meinem Geschäft habe ich solche Kunden nur eine halbe bis ganze Stunde da und benutze hinterher großzügig Desinfektionsspray. Bei den Kunden zu Hause habe ich das nicht, und gelegentlich komme ich in Häuser, wo ich eigentlich am Liebsten gar nichts anfassen möchte, am wenigsten die Füße der Hausherrin oder des Hausherren. Na gut, Handschuhe, Mundschutz, Augen zu und durch, es hilft ja nichts….

Zusammengefasst also anstrengend, zeitaufwändig und potentiell eklig. Weil es so anstrengend ist und mein Rücken nach jedem Hausbesuch ächzt und jammert versuche ich die Hausbesuche auf 1-2 am Tag und 3-4 pro Woche zu beschränken. Meistens klappt das ganz gut, diese Woche klappte es gar nicht. Das ist das übliche Problem mit der Verteilung: wünschenswert wäre ja, wenn sich die Gesamttermine gleichmäßig über das Jahr verteilen würden. Das bleibt aber ein Wunschtraum, es gibt immer wieder Wochen, in denen der Tag locker 48 Stunden haben dürfte, damit alle Kunden, die einen Termin in dieser Woche haben wollen, auch einen bekommen können. In anderen Wochen herrscht dafür Totentanz. Das ist normal und bei den Hausbesuchen nicht anders. In manchen Wochen liegt gar keiner an, dafür ballen sie sich in der nächsten Woche. Zum Glück ist die Woche ja morgen rum, ein Hausbesuch noch, in der nächsten Woche sieht es dann schon wieder anders aus.

Morgentran

Nov
2011
24

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Wer hat eigentlich die Sache mit dem frühen Austehen erfunden? Es gibt ja Tage, sogar Wochen, da bin ich schon lange wach, bevor der Wecker klingelt und stehe dann zwar nicht mit Begeisterung aber doch einigermaßen munter auf. Spätestens nach dem morgendlichen Hundespaziergang bin ich dann auch wach und irgendwie bereit für den Tag.

Im Moment ist das leider ganz anders. Ich wache vom Weckerklingeln auf, drehe mich stöhnend nochmal auf die andere Seite. Spätestens nach dem dritten Klingeln stehe ich dann doch auf. Ich schleppe mich erst ins Bad und dann mit dem Hund vor die Tür. Der Spaziergang macht mich auch nur kurzfristig wach, eine halbe Stunde später hänge ich mit meiner leeren Frühstücks-Müsli-Schüssel vor dem PC, versuche ein paar über Nacht eingegangene E-Mails zu entziffern und will eigentlich nur eines: Schlafen! Gerade im Moment geht es mir genau so, ganz genau! Besonders gemein ist dabei: auf dem extra dafür abgedeckten Gästebett neben mir liegt mein Hund. Er schläft. Dabei schnarcht er so lautstark, dass ich fürchte, meine Vermieter im Schlafzimmer unten drunter fallen gleich aus dem Bett. Direkt daneben, an sein haariges Hinterteil gekuschelt, liegt übrigens der Kater. Popo an Popo, sozusagen. Der schläft auch, schnarcht dabei aber wenigstens nicht. Zumindest nicht so laut, dass ich es über die Schnarchgeräusche vom Hund hinweg noch hören würde. Natürlich kam es auch, wie es kommen musste: als ich gerade ein Foto davon machen will, wacht der Kater auf und macht einen halbwegs wachen Eindruck. Der Hund allerdings schläft unbeeindruckt weiter.

Ich wünsche Euch einen angenehmen, stressfreien, dabei aber munteren und ausgeschlafenen Tag. Bei mir klappt das gerade leider nicht so.

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Ich schreibe gerne. Wirklich gerne. Es macht mir Spaß meine Gedanken zu einem Thema aufzuschreiben, ich teile mich gerne mit und schriftlich kann ich länger darüber nachdenken und auch für mich meine Gedanken nochmal ordnen.

Das, was ich hier schreibe, ist trotzdem ein reines Hobby. Nur Spaß an der Freude. Ich habe tagsüber mein Geschäft, um das ich mich kümmern muss, zwischendurch noch meinen Nebenjob bei der Texterflotte. Was hier erscheint, das schreibe ich morgens, bevor ich arbeiten gehe, in meiner Mittagspause oder Abends, nach Feierabend. Manchmal ist es dann wirklich schwer, mich zu motivieren. Heute ist so ein Tag. Ich hab gar nicht so viel Arbeit gehabt, ein ziemlich geruhsamer (dadurch aber auch unbefriedigender) Tag, nur ein einziger Artikel für die Texterflotte, abends ein wenig Buchführung/Korrespondenz. Nichts aufregendes und ich hätte genug Zeit gehabt, um hier noch einen Text zu schreiben.

Ich hab es aber nicht hingekriegt. Ich habe vor dem offenen WordPress-Dashboard gesessen und bei Amazon Bücher angeschaut, nach einer Bedienungsanleitung für meine Nähmaschine (eine Singer Featherweight plus) gegoogelt, Pressemeldungen und Tweets gelesen und mir gewünscht, ich könnte mich aufraffen, hier noch etwas zu schreiben. Mist. Heute also quasi ohne Text, zumindest nur mit einem Platzhalter für einen Text, der nicht geschrieben wurde. Morgen gibt es wieder mehr, hoffe ich!

Eine Ankündigung gibt es dafür auch, ich möchte den Schwerpunkt ein wenig verschieben und Euch mehr aus meinem Alltag berichten. Insbesondere aus dem beruflichen Alltag, insbesondere den als Fußpflegerin und Geschäftsfrau. Ich hoffe, das kommt Euch entgegen und interessiert den einen oder anderen von Euch.

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Ich habe 1991 in Bayern Abitur gemacht. Mit einem eher mäßigen Abschluss (2,8, na, das war jetzt keine Bestleistung), dafür galt zu dieser Zeit ein bayerisches Abitur noch als etwas Besonderes. Schon damals war aber die Entwicklung erkennbar: mit Abitur kann man selbstverständlich studieren, aber auch für eine Ausbildung etwa als Bankkaufmann wurde Abitur schon als praktisch selbstverständlich voraus gesetzt. Mit viel Glück und Beziehungen hatte man da auch noch mit einem sehr guten Realschulabschluss eine Chance, mit einer durchschnittlichen „Mittleren Reife“ musste man sich da in jedem Fall nicht mehr bewerben.

Ich habe dann ein bisschen Lehramt studiert (und festgestellt, dass unterrichten nicht mein Ding ist), eine Ausbildung als Arzthelferin gemacht und arbeite nun in einem Bereich, für den man kein Abitur braucht: als Fußpflegerin sowie im Webbereich. Dafür wäre mehr unternehmerisches und wirtschaftliches Grundwissen sinnvoll gewesen, das hätte man vielleicht eher an der Wirtschaftsschule gelernt, die es bei uns auch gab, da war ich aber nicht. Dafür kann ich Latein, hätte um ein Haar Altgriechisch lernen müssen und kann die Vererbungslehre gemäß Mendel und darüber hinaus erläutern.

Schon damals, 1991, war es mit einem Hauptschulabschluss schwieriger eine gute Ausbildungsstelle zu bekommen. Immerhin, in den meisten handwerklichen Berufen und auch als Einzelhandelskaufleute hatten sie gute Chancen. Heute sieht das anders aus. Ein Hauptschulabschluss wird nicht mehr als qualifiziert wahrgenommen, Perspektivlosigkeit unter den Schülern wie ihren Lehrern führt zum „Berufswunsch Hartz4“ – na klar, da wird den Schülern ja auch von allen Seiten eingeredet, sie würden nichts können, wären für nichts gut genug und nicht qualifiziert für irgend etwas.

Gleichzeitig sinkt auch das Niveau an den anderen Schulen. Da die Hauptschule keine Aussichten auf einen ordentlichen, gut bezahlten Beruf mehr bringt, müssen die Kinder wenigstens die Realschule besuchen, am Besten gleich das Gymnasium. Völlig unabhängig davon, ob sie die Voraussetzungen und Neigungen dafür mitbringen, werden sie durch eine Schulform geschleppt und gescheucht, die sie in vielen Fällen überfordert und zu Frust und frühen Depressionen führt. Das tut das Gefühl der Hauptschüler, nichts wert zu sein, allerdings auch. Die flächendeckende Verabreichung von Antidepressiva kann dabei nicht die Lösung sein.

Die Hauptschule soll jetzt mit der Realschule zur Oberschule zusammen gefasst werden, Gymnasium bleibt. Der andere Ansatz wäre die generelle Einführung von Gesamtschulen. Ich bin ehrlich: das ist mir völlig egal. Ob wir eine Schule für alle haben oder drei verschiedene Schulen oder fünf – mir wäre es wichtig, dass die Schüler viel mehr gefördert werden. Auch bei dem niedrigsten Schulabschluss muss es möglich sein, dass alle Schüler eine ordentliche Rechtschreibung beherrschen, sich vernünftig ausdrücken können, die Grundrechenarten und den Dreisatz beherrschen und ein grundlegendes Wissen über Geschichte, Politik und Wirtschaft mitbringen. Wenn das nicht möglich ist (und im Moment scheint es nicht möglich zu sein), dann liegt das nicht an zu dummen Schülern. Es liegt auch nicht daran, dass zu viele Schüler mit Migrationshintergrund da sind, das ist nämlich einfach ein gesellschaftlicher Fakt, damit müssen und wollen wir leben und das das Beste daraus machen – im absolut positiven Sinne, denn das ist auch eine große Bereicherung für die Gesellschaft. Es liegt daran, dass wir nicht gewillt sind, die Schülern nach ihren Möglichkeiten zu fördern. In kleinen, individuell aufgeteilten Gruppen lernt es sich viel besser, kann viel mehr Wissen vermittelt werden. Ein transparentes, durchlässiges System, dass allen Schülern Chancen gibt, das wäre mein Wunsch. Das kostet Geld, das ist mir klar – aber dafür scheint es mir gut angelegt, Geld in die Bildung und die Schulen zu stecken bedeutet ja, in unsere Zukunft zu investieren.

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Der Gang durch den Supermarkt zeigt eine riesige Fülle von Fleisch- und Wurstprodukten: eine große Fleischtheke, in der alle Sorten von Fleisch und Wurst appetitlich angerichtet sind, daneben das Kühlregal, in dem abgepackt Schnitzel und Rouladen, Hähnchenschenkel und gewürzte Nackensteaks liegen. Nur ein paar Meter weiter dann die nächste Kühltheke, in der Schinken, Leberwurst und Aufschnitt portionsweise abgepackt angeboten werden. Neben der normalen Variante gibt es natürlich auch noch die Light-Version mit Geflügelfleisch und wenig Fett. Da weiß man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll.

Es gab Zeiten, da war man froh, wenn Sonntags ein Braten auf den Tisch kam. Wochentags war Fleisch viel zu teuer. Heute dagegen gibt es Sonntags den Braten, dafür gibt es Wochentags zum Mittagessen Schnitzel, Frikadellen oder Würstchen mit Kartoffelsalat und zum Abendessen Brot mit Salami, Schinken und Fleischwurst. Sind wir mal ehrlich: dass das nicht so besonders gesund sein kann, leuchtet vermutlich den meisten Menschen ein, oder?

Dazu kommt vor Allem eines: das geht natürlich nur, weil die Preise für Fleisch und Wurst so niedrig sind. 1,99 Euro für 500 Gramm Schweineschnitzel. Na, da wird ja die Gemüsepfanne fast teurer. Allerdings muss man auch überlegen, was dahinter steckt. Das Schwein muss dafür ja monatelang untergebracht und gefüttert werden, tierärztlich versorgt, anschließend geschlachtet und dann das Fleisch verarbeitet. Das bedeutet viele Stunden Arbeit, die von Menschen geleistet werden muss. Natürlich wird für die günstigen Preise auch am Arbeitslohn derjenigen gespart, die für das Fleisch arbeiten müssen. Am meisten wird aber an dem gespart, der das Fleisch liefern muss: am Schwein. Solche Preise sind nur dann möglich, wenn möglichst viele Schweine möglichst kostengünstig versorgt, möglichst schnell groß und fett gefüttert und möglichst günstig geschlachtet werden. Das kann mit artgerechter Haltung nicht mehr viel zu tun haben. Die Bilder der Schweine, die in dunklen Ställen auf verdreckten Spaltböden stehen hat sicher jeder schon mal gesehen, genau wie die Hühner in winzigen Käfigen. Genau daher kommt das billige Fleisch!

Artgerechte Haltung für ein Schwein würde Kleingruppen beinhalten, saubere, trockene Ställe, mit Stroh ausgestreut, artgerechtes, abwechslungsreiches Futter, eine Suhle, wo sie sich im Schlamm wälzen und dadurch ihre Haut pflegen können, die Möglichkeit sich zu bewegen. Nichts davon kann verwirklicht werden, bei den Fleischpreisen, die wir beim Supermarkt oder Discounter bezahlen.

Ich bin kein eingefleischter Vegetarier, ich habe aber ein Problem damit, wenn das Tier, dass ich essen will, schon vorher so sehr leiden muss, dass man sich fragen kann, ob die Schlachtung nicht die Erlösung von lebenslangem Leiden ist. Wenn das Tier schon sterben muss für meinen Genuss, dann soll es vorher ein lebenswertes Leben gehabt haben. Ein Leben das ihm angemessen ist. Darüber hinaus ein Leben, das auch meiner Gesundheit gut tut, weil das Tier nicht mit Antibiotika vollgestopft und mit unglaublichen Abfällen gemästet wird. Ich habe gar nichts gegen Küchenabfälle als Schweinefutter, aber Dioxin und ähnliches haben in meinem Essen nichts verloren.

Das würde allerdings bedeuten, dass das Fleisch deutlich teurer werden muss. Sehr viel teurer. Ich bin der Meinung, dass man das nur durch Gesetze durchsetzen kann, die die Tierhaltung regeln. Eine artgerechte und tiergerechte Haltung sowie eine ortsnahe Schlachtung wären hier wichtig. Es kann doch nicht sein, dass die Schlachttiere aus Kostengründen quer durch Europa gekarrt werden. Das ist nicht nur Quälerei, es ist auch ökologischer Blödsinn.

Das bedeutet am Ende aber auch, dass es dann nur noch für den Sonntagsbraten reichen würde, und eben nicht mehr für das Alltagsschnitzel. Macht aber nix, ist sowieso viel gesünder!

Zwei am Tag!

Nov
2011
20

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Die Bloggerei bescheinigt mir ja, dass ich inzwischen 2 Besucher pro Tag habe. Tatsächlich sind es an den meisten Tagen mehr als zwei, eher so drei bis sieben (wobei, also, einer davon bin ich wohl immer….). Da die Bloggerei aber den Durchschnitt über einen längeren Zeitraum nimmt, fallen da natürlich auch Zeiten rein, in denen gar keine Besucher da waren. Ich habe nach dem Start eine Phase gehabt, in der ich praktisch gar nix gepostet habe und da der Blog natürlich noch total unbekannt war, dann auch gar keine Besucher kamen. Das hängt mir nach wie vor nach und es ist wirklich hart, den Schnitt hier wieder zu heben. Insgesamt ist es ohnehin harte Arbeit, mit einem Blog an Leser zu kommen. Nach einigen Monaten hofft man natürlich darauf, dass einen einige Leser gefunden haben und immer wieder kommen. Ist aber schwierig, wie gesagt.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, Werbung direkt bei Freunden und Bekannten zu machen, ich wollte gerade mit diesem Blog ausprobieren, wieviele Besucher man wirklich rein über das Internet bekommen kann. Das macht es natürlich nicht einfacher, vielleicht sollte ich meinen Freunden doch mal von diesem Blog erzählen?

Die Suchmaschinen-Zugriffe sind auch nach wie vor extrem mager. Dafür aber zumindest in teilen erheiternd. „Allein im Alltagsdschungel“ – das passt ja, zumindest um den Alltagsdschungel geht es hier ja definitiv, wenn ich auch nicht genau weiß, was der Suchende mit dieser Suchanfrage zu finden erhoffte. Da könnte die nächste Suchanfrage hilfreich sein „Allein im Alltagsdschungel Aufsatz“. Naja, ich schreibe hier ziemlich viel und irgendwie hat es alles was mit dem Dschungel des Alltags zu tun – weit gefasst. Trotzdem fürchte ich, diese Suche war nicht zielführend. „Bedingungsloses Grundeinkommen unterzeichnen“ – ja, auch um das Grundeinkommen geht es hier mal, keine Frage, zum Unterzeichnen der Petition ist es aber zu spät. Macht nichts, engagieren kann man sich auf jeden Fall. Empfehlen kann ich hier etwa die Piratenpartei, die haben das Grundeinkommen im Parteiprogramm stehen und brauchen engagierte Leute, die das auch voran treiben wollen. „Ich koche zu viel“ – hm, ich fürchte, dabei kann ich nicht helfen. Vielleicht einfach einen Teil einfrieren oder Freunde zum gemeinsamen essen einladen?

Na gut, genug gejammert, im Durchschnitt zwei Besucher pro Tag laut Bloggerei, das ist ein Anfang. Mal schauen, wie es weiter geht!

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Das Wochenende verbringe ich mal wieder in Hannover. Einer meiner liebsten Bestandteile der Wochenendplanung ist dabei der samstägliche Einkauf auf dem Lindener Markt. Zahlreiche Stände mit frischem Obst und Gemüse, frischen und ungewöhnlichen Nudeln, Fleich und Fisch, unbekannten Pilzen, Verkauf von Kaffee, Espresso, Backwaren, Punch und Crepes und eine bunte, fröhliche Mischung einkaufender Menschen – wenn es nicht gerade in Strömen regnet ist der Einkauf auf dem Markt für mich spannender, als jeder Jahrmarktbesuch. Und mindestens genauso nahrhaft, dafür gesünder und in der Regel auch billiger.

Da ich gestern durch die Igeldame Felicitas verhindert war und damit insgesamt in Verzug gekommen bin, hat mein Liebster schonmal angeboten, den Marktbesuch heute alleine zu erledigen. Hallo? Das ist keine Pflichtveranstaltung, das ist Spaß! Ich habe mich etwas mehr beeilt und so waren wir dann auch um halb eins am Markt. Das ist natürlich spät, der Markt schließt glaube ich gegen zwei, andererseits ist es nicht das Schlechteste, spät am Markt anzukommen. Die Verkäufer dort möchten ihre Sachen ungern wieder mit nach Hause nehmen und so empfing uns schon der erste Marktstand mit den gebrüllten Worten „Jeder Blumenkohl nur noch fünfzig Cent! Zwei Kohlrabi für einen Euro!“ Na bitte, das wäre doch ein Schnäppchen, nach Blumenkohl und Kohlrabi war uns aber gar nicht. Wir waren zunächst auf der Suche nach ausgefallenen und frischen Nudeln. Die Ravioli mit Ricotta-Tomaten-Füllung hatten es uns angetan, dazu gibt es morgen eine leckere Salbei-Butter, den Salbei brauchten wir also auch. Heute soll es Mangold-Röllchen mit Hackfleisch-Füllung geben, Mangold haben wir dann auch an zwei verschiedenen Bio-Ständen gefunden und an einem gekauft. Bio ist er wohl, aber nicht wirklich ökologisch sinnvoll, ich habe nicht bedacht, dass zur Zeit der Spinat in Deutschland frisch geerntet wird, Mangold aber von Juni bis August bei uns Saison hat. Das ist also wohl leider Importware. Hilft jetzt aber nichts mehr, jetzt liegt er frisch und glänzend in der Küche. Gleich wird er blanchiert und mit einer Masse aus Hackfleisch, gedünstetem Gemüse, Ei und Schmand gefüllt, im Ofen gebacken und dann mit Kartoffeln gegessen. Hmmmm!

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